Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

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Gfosseti 
Nietzsche ebenso wie die sich einstellende Angelegenheit geworden ist, die es heute 
Erinnerung an Stendhal: wie sehr Thomas gibt. Thomas Mann, der ihn im September 
Mann ein Geschöpf des Geistes ist und und sogar noch im Dezember aufs heftigste 
nicht der Leidenschaft, und zwar so sehr, befehdet, nein, mit Verachtung ablehnt, 
daß es ihm nicht einmal wie Stendhal ge» verspricht im April die »Synthese von 
lingt, sich, komödiantisch, der hinreißenden Macht und Geist« als das »dritte Reich«, 
Leidenschaftlichkeit einer fremden Vision das Deutschland sich durch diesen Krieg 
zu überlassen. Ich sage nichts über die bereite. Soll Voltaire König werden? Oder 
Sache, die er verficht <»Er mußte unrecht der König zugleich Voltaire sein? »Warum 
tun und ein Leben gegen den Gedanken nicht?« antwortet Thomas Mann. »Adelige 
führen..., damit eines großen Volkes und gelehrte Jugend, die sich täglich ris» 
Erdensendung sich erfülle«), ich sehe nur, kiert,« schreibt ihm aus der Front, »daß 
wie er diese Sache vertritt als ein rechter sie, ,vor sich den Feind und den Sieg', 
Advocatus diaboli, und daß er ein Bild manchmal von dem miteinander sprächen, 
errichtet, das, als fortwirkendes Beispiel was »er« gemacht, namentlich von dem 
für die Geschlechter von heute und morgen, letzten, einer Geschichte vom Tode, und 
Züge aufweist, wie sie unheimlicher selten daß diese ihnen ,niemals näher war'«. Und 
an einem Götzen gesehen wurden. Warum wenn sich diese Feststellung auch zunächst 
also, fragt sich der aufmerksame Leser, gegen die Kritiker richtet, die dieses Buch 
werden ungeheure Kriege geführt? Aus schlecht fanden, so erweitert sich doch gleich 
dämonischem Drang, einer Kultur zuliebe, das Gesichtsfeld, wenn der Verfasser des 
die allerdings auch »Orakel, Magie, Päd» »Tods in Venedig« aus seiner jüngsten 
erastie, Vitzliputzli, Menschenopfer, or» Erfahrung schließt: »Der Geist, ihr Hände» 
giastische Kultformen, Inquisition, Auto» reiber, war dem Leben ,niemals näher', als 
dafes, Veitstanz, Hexenprozesse, Blüte des eben jetzt, — das Leben selbst sagt es, 
Giftmordes und die buntesten Greuel um» und da ihr vorgebt, es so sehr zu achten, 
fassen kann«, um uns vor dem Geist zu nun, so glaubt ihm.« 
bewahren, »dem geschworenen Feind der Der Beweis schlägt den Widerstrebend» 
Triebe, der Leidenschaften,« aus dem »ge» sten. Hier ist der Beginn des dritten Reichs, 
heimen Instinkt«, von dem Friedrich ein» greifbar, 
mal spricht, und über den Thomas Mann, 
nachdem er festgestellt, daß er das Han» 
dein des Königs geleitet, sein Leben be» POLITISCHE ERZIEHUNG. 
stimmt habe, aussagt: »es ist durchaus eine »Politische Erziehung der Deutschen durch 
deutsche Denkbarkeit, daß dieser geheime diesen Krieg.« Unsere Dichter und Denker 
Instinkt, dies Element des Dämonischen in bestehen auf ihr, unterdessen schaffen sie 
ihm überpersönlicher Art war: der Drang die konfuseste Ideologie, die je hinter einem 
des Schicksals, der Geist der Geschichte«. Krieg einhergehinkt kam, eine Kriegslite» 
Dämonie, Genialität, Mystik gehören seit ratur, die einen Turm von Babel darstellt, 
Kriegsausbruch zum Bestand unserer Zei» aus Plagiaten eines ganzen deutschen Jahr» 
tungsideologie, zusammen mit dem Dog» hunderts, vermehrt um Sprüche von Bergson 
ma von der Unfehlbarkeit des Erfolges und dem alten Chamberlain, Dostojewski 
und dem »Geist«, der die problematischste und Spencer. »Der große Kant«, lesen wir
	        

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