Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

Gfossen 
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bei Thomas Mann, »war ein Krüppel, der Trommelklang weitergeht, von Tag zuTag, 
nicht einmal zum Garnisonsdienst getaugt wie das Leben. Studiert die »Gedanken 
hätte, und er war der erste Moralist des und Erinnerungen« von Bismarck, dreimal, 
deutschen Soldatentums«. Ja, aber er schrieb die beiden Bände von Friedjung, »Der 
den »Ewigen Frieden«. Wohingegen es Kampf um die Vorherrschaft Deutschlands 
unseren heutigen »Krüppeln« Vorbehalten von 1856—65«, dann das ausgezeichnete 
blieb, die wunderbare Seligkeit des »Kriegs Buch des Grafen Ernst zu Reventlow über 
an sich« zu entdecken. Nie hat sich ein »Deutschlands auswärtige Politik von 1888 
Militär zu einem derartigen philosophischen bis 1914«, das zum erstenmal im Mai 1914, 
Kannibalismus bekannt, man mustere sie, in zweiter Auflage, mit einem kurzen Nach* 
von Gneisenau bisSchlieffen,- keiner kämpfte wort, im übrigen unverändert, 1915 er* 
für die Kultur, und wenn einer gelegentlich schien. Hier findet Ihr, sehr ausführlich, die 
von den moralischen und hygienischen Wir- Geschichte dieses Krieges,- es ist der Krieg 
kungen des Krieges ein — entschuldigendes von Bülows »freier Hand«. Und dann, dann 
Wort fallen ließ, so dachte doch nicht rate ich, zur Erholung und Aufrichtung, 
einer an die Möglichkeit, den Krieg als eine Alfred H. Frieds »Europäische Wieder* 
humanitäre Einrichtung anzusprechen. Den herstellung« zu lesen, das dieser Tage bei 
»schädlichen«, den »verächtlichen« Frieden, Orell Füßli in Zürich herauskam und für 
und wie die letzten Erkenntnisse wild* eine Mark durch jede Buchhandlung zu be* 
gewordener Philister sonst heißen, die ganze ziehen ist. 
Apotheke des tödlichen Blödsinns, das hat 
R. S. 
der Bourgeois von 1914 erfunden, zwischen 
Stammtisch und Schreibmaschine, im tiefsten 
Ruß fand und die Mächte. 
Behagen, Feldpostbriefe lesend, die »mit Die nachfolgende Darstellung ist im 
Blut geschmückt waren«, wie einer von wesentlichen gegründet auf den Inhalt des 
ihnen schrieb. Woher soll die politische Er* Buches »Rußland als Großmacht« vom 
ziehungkommen? AlleZeitungen schreiben, Fürsten G. N. Trubetzkoi <deutsch von 
alle, die sprechen, reden dasselbe. Solches Josef Melnik, Deutsche Verlagsanstalt Stutt* 
läuft im besten Fall statt auf Erziehung gart). Im Russischen erschien dieses Buch 
auf Einpaukerei hinaus, sodann auf ge* Anfang 1911, ist also noch vor den Balkan* 
dankenloses Nachschwätzen, also auf Ver* kriegen geschrieben. Es verliert dadurch 
dummung, auf intellektuelle Sklaverei, nichts an Giltigkeit, da auch das politische 
Hütet Euch, die Ihr Euch ernsthaft um Geschehen, allen Kriegen zum Trotz, dem 
politische Einsicht bemüht, hütet Euch vor Gesetz der Kontinuität unterliegt. Der 
den neuen Sängern der Politik, die über Verfasser ist einer der fähigsten russischen 
Nacht aus Kuckuckseiern gekrochen sind Diplomaten, langjähriger Departementchef 
und sich nun im fremden Nest plustern, im Ministerium des Äußeren <Leiter der 
Es sind Schwächlinge, die Gewaltmärsche dort wichtigsten, nahöstlichen Abteilung), 
trompeten. Man hat ihnen die gewohnten gelegentlich und so noch in jüngster Zeit 
Scheuklappen weggeschlagen,seitdem wissen Spezialgesandter an den Balkanhöfen in 
sie nicht mehr, wohin. Verfolgt, in den aus* besonders heiklen Augenblicken, also einer 
gesprochensten Parteiblättern, den inner* der besten Kenner der europäischen Orient* 
politischen Kampf, der mit gedämpftem frage. Seinen Ausführungen muß auch dort,
	        
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