Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

934 
Gfossen 
////////////#///////#//////////////////////////////////#////////////#/////////////////#///////////////////#///////////////////////#////////#///// 
ERDBEBEN. 
Beim Erdbeben kullert ein verlorenes 
Zwanzigmarkstück unter der Truhe vor. 
»Hosiannah!« schreit Philosoph und Li« 
terat — »sei gegrüßt, Erdbeben, es ist 
vorgekullert!« 
4. Heft. Affred Kerr. 
ES KULLERT.. . 
... Im »reinen Ich« vollzieht sich das 
Wunder, daß der tiefste Kern der Person« 
lichkeit Eines ist mit einem Allgemeinen, 
einer lebendigen Idee, einem Gemeinsamen 
vereinheitlichter Millionen — und dieses 
hat das »empirische Ich« so Übergriffen und 
in sich hineingenommen, daß dessen see« 
lische Vergleichgültigung sich in die selbst« 
verständlich hingenommene physische Ver« 
nichtung fortsetzt. 
Freilich, Fichte spricht nur von einer 
»unendlichen Annäherung«,- denn das All» 
gemeine, dem das Ich metaphysisch geeint 
ist, ist für ihn nicht Vaterland und Nation, 
sondern das Allgemein-Menschliche, All» 
gemein=Geistige, das jenseits jeder Seele, 
auch der Seele eines Volkes steht. In jener 
Richtung aber liegt vielleicht die Aufgabe 
derer, die den Krieg überleben — eine 
nun allerdings unendliche. Für den Krieger, 
der den Opfertod gestorben ist, ist das 
Unendliche eingegangen in die Form: 
Deutschland, er hat wirklich »vollendet«. 
Wir aber müssen, daß wir leben dürfen, 
mit der Unabschließbarkeit unserer Auf» 
gäbe bezahlen, unser relatives Ich in das 
Absolute aufgehen zu lassen. Nur die 
Gnade ward uns, daß die uns mögliche 
Hingebung und Opferung für die Mensch» 
heit in der Gestalt unseres Deutschlands 
uns sicher macht, daß unser Weg jetzt 
wirklich eine endliche Strecke jener unend 
lichen Annäherung ist. 
4. Heft. Georg Simmef. 
AN DIE ENTBÜRGERTEN. 
Warum bewegtet ihr euch nicht im Frieden 
So seltsam, so vom Geist her und so gerne <— 
Gekommen wäre niemals mehr ein Krieg. 
Doch lernt dies Feuer für den neuen Frieden! 
Stürmt dann wie jetzt und ruft statt Hurra: 
Sterne! 
Und führt den ganzen Geist hinauf zum Sieg. 
4. Heft. Aff red Woffenstein. 
DER DEUTSCHE GOTT. 
... Ich glaube, daß wir nordischen 
Völker manches im Christentum falsch 
verstanden haben, weil wir für historisch 
und wirklich hielten, was überhistorisch 
und überwirklich gemeint war,- noch heute 
zeugt ja davon der gänzlich gleichgültige 
Streit, ob Christus gelebt hat oder nicht. 
Die Ausdrucksweise des Christentums war 
uns fremd,- und vielleicht ist manche Feind 
schaft gegen die Religion bei uns lediglich 
aus solchen Mißverständnissen ausgegangen. 
Ob uns Deutschen eine unsinnliche Reli 
gion nicht angemessen wäre, eine Religion 
ohne historischen und dogmatischen Aus 
druck? Aber freilich, wie könnten wir dann 
die wichtigen Dinge mitteilen? Es wäre 
uns eine neue Offenbarung nötig, die Offen 
barung des Deutschen Gottes. Eine alte 
Welt bricht zusammen in diesem Krieg,- 
sollte die neue Welt, die wir kaum von 
fern ahnen können, auch eine Religion 
haben, die wir uns noch nicht vorstellen 
können, die allem widersprechen würde, 
was wir kennen, das dritte Reich? 
6. Heft. Pauf Ernst. 
ERLEBNIS. 
. . . Und zugleich fing es im ganzen Erd 
teil wie in einem Bienenkorb zu wimmeln 
und sich zu regen an von geschäftig sich
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.