Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

gut unb fruchtbar, f<hon Jeßt Programme her 3ukunß für bam Völker* 
(eben gu entwerfen, glauben unb wtjfen wtr bo<h befttmmt, baß ein tour* 
btgem unb fruchtbarem neuem Verhältntm ber aufgerütte(ten Stationen nur 
aum einem pofttioen, ernften Lotten ber ©eifttgen erwachfen kann, bam 
heute fdhon latent bafetn muß. otogen bte im gelbe ftehenben $eere ftdj 
jeßt um Literatur unb ©ebtchte unb ^enßhheitmgebanken ben Teufel 
kümmern — fie haben bam 3facf)t bagu. 20tr gu $aufe ©tßenben haben 
bam SRecht nicht, tote totr auch nicht bam 3Sedjt gu einer Tätigkeit bem 
paffem haben, bam nach Völkerrecht nur ben Untformtragenben gufteht. 
Sin £ump, toer ftch jeßt nicht gu feinem Vaterlanbe bekennt — aber baß 
man feine Speünat oon $ergen lieben kann, ohne auf ben ©ebanken einer 
ewigen 3ufammenarbeit menßhltcher Vernunft unb menfchltcfjen Kultur* 
toillenm in allen Völkern gu oergtchten, bam follte ft<h am ®nbe oon felber 
oerftehen. Tttemanb glaubt an bte ewige Vauer politifdjer Vünbntjfe — 
tote follte ba jemanb an bte etotge Vauer nationalen paffem glauben? 
S33er bte ©ebanken ber toertoollften beutfchen 3ugenb kennen will, 
kann an ihrer Literatur nicht oorübergehen. Varum feien ©udjenbe auf 
bte „Meißen Vlätter" oertotefen. 3ch habe fytv, aum guten ©rünben, 
bam Aktuelle betont. Vo<h glaube man Ja nicht, baß biem bte ^)auptfa<he 
unb baß em btefer 3 u 0 en & 0ar um etn äfthettfterenbem ©ptelen mit 
großen ©ebanken gu tun fei. Sharaktertfttfch ift nur, baß gerabe bam 
Organ ber frifc^eften, ftürmifchften Itterarifchen 3«gcnb Jene ©timmen 
ber Mäßigung unb ber 3ukunßmpf(ege hären laßt. Vamtt rechtfertigen 
ftch btefe Jungen Vieler, noch lange ehe ihre ©ebtchte bte oolle Bannern* 
reife erlangt unb ben 23eg gum Volke gefunben haben. Vaß überhaupt 
etn fo ernfthaß literartfchem, gang unpopuläres ^onatmblatt mit feinen 
rein getfttgen Veftrebungen jeßt mitten im Kriege feinen 53eg toieber 
aufnehmen kann, ift f<hon etn Vtng, bam Vertrauen erweckt. 
Vtem Vertrauen wirb bet manchem £efer burch bte Vi^tungen wteber 
erfdjüttert werben, bte man tn ben Reißen Vlättern* fmbet. Mancher 
wirb fie gar nicht oerftehen, mancher wirb fie gewollt unb frech finben, 
unb etwam baran, ein &orn baran, ift am (Enbe wahr. £m ift 3agcnb, 
bte ftch fyev äußert, unb eg ift tßr nicht um gute ©ebärben, fonbern um 
bam Slumfprechen ihrem Sebenmbrangem gu tun, auch um bam ^brechnen 
mit oaterlichem Verkommen guwetlen, unb Nachahmer laufen, wte überall, 
neben ben Achten etnher. Unter ben Achten aber, gu benen ©tabler ge* 
hörte, gu benen Werfel, ©ternheim, ©htckele, (Shrenftetn unb anbere 
gehören, wirb man, wenn bam erfte ©tocken oor otelen burchbrochenen 
gormtrabitionen überwunben ift, Sone ber ©eele ftnben, ©ebtchte unb 
^luffaße oon ®rnft unb Energie, beren momentane gönnen unb 23ege 
man ketnemwegm überall gu billigen braucht, um hoch bam bahinterftehenbe 
£eben ber heraufkommenben ©eneration lieben unb ehren gu können.
	        

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