Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

S. Triedfaender ■ Der Wagßafter der Weft 873 
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solute, Freie, Göttliche, Unsterbliche, Unendliche anders zu erleben 
als polar in sich widerstreitend, von sich selbst schöpferisch in die 
Mitte der eigenen Opposition genommen. Wenn dieses absolut all 
mächtige Wesen kein Chaos bleiben, wenn es herzhaft eigene per 
sönliche Identität bekommen, vielmehr, seine chaotische Identität ihr 
persönliches Zentrum finden soll, so muß es diametral von sich ver* 
schieden sein. Das Identische der Welt ist nur-neutral konzentrierte 
Identität von Divergenzen, und wenn seine Divergenz noch oben*? 
drein in verschiedene Begriffe zerdacht, in verschiedene Worte zer* 
sprochen wird, so daß schließlich gerade das identische Wesen, 
dessentwegen Alles geteilt, d. i. polarisiert ist, darüber vergessen 
wird, so soll man sich seiner von frischem erinnern. Der Glaube an 
etwas außer diesem Wesen, an »Endliches«, Zwangsweises, Schicksal, 
Ohnmacht, Sünde u. a. Unvollkommenheiten ist von vorn bis hinten 
eine einzige Selbstvergessenheit,- es gibt alle diese zerrissenen Um* 
Vollkommenheiten nur, weil es ihre göttlich runde Vollkommenheit 
gibt,- und selbst das Vergessen dieser Vollkommenheit nur, weil das 
absolut vollkommene Gedächtnis nur die Äquilibrierung seines Übern 
Schwanges, des eigenen Minus und Plus ist, Indifferenz der eigenen 
Polarität. Gerade aus der Exorbitanz des allmächtigen Wesens er* 
klärt sich die Notwendigkeit seiner äquilibrierenden Funktion. Alle 
Mißverständnisse und Vergeßlichkeiten entstehen also nur daraus, 
daß man diese Äquilibrierung verfehlt, sich nicht einmal darnach er* 
kündigt. Aber sowie nur ein Wesen genannt wird, ist es nötig, 
dessen Überreichtum anzuerkennen, dessen plus und minus zu unter* 
suchen, seine Balance persönlich herzustellen,- jede andere Methode, 
sich damit zu beschäftigen, ist Irrweg. Ohne diese Balance ist die 
Richtung auf das plus — z. B. an »Güte« — so gefährlich <für den 
identischen Zusammenhang des Gedächtnisses, des persönlichen Be* 
wußtseins) wie diejenige auf das minus,- mit ihr die auf das minus 
so ersprießlich <zum selben Zweck) wie die auf plus. Das persönlich 
Innere, das Selbst, Subjekt, der eigene Wille hat gar nichts in will* 
kürlicher Gewalt als bloß diese Balance, diese magnetische Indiffe* 
renz, diese polar divergierende Identität,- durch sie aber Alles. Recht 
verstanden, ist also diese seine einzige wahre Freiheit das schöpfe* 
rische Meisterstück präzisester gesetzmäßiger Willkür.
	        

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