Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

S. Friedfaertder • Der Wagßafter der WeCt 877 
Seine Inwendigkeit als reine Indifferenz ist trüb vorhanden, aber 
nicht absolut klar präzisiert. Die reiche Auswendigkeit verlockt zu 
einer Unmenge von Fehlgriffen in diesem einzigen Punkte, auf dessen 
Präzision alles ankommt. Diese ganze reiche Auswendigkeit ist nur 
für ihren Silberblick, den Inwendigsten, ihren Schmelz* und Siede 
punkt, für ihren bebendsten puren Amensager und Segner. Und nur 
dieser erlebt wirklich ihre polare Harmonie, die ohne die absolut 
stimmende Reinheit dieses Erlebens sogleich dissonant werden muß. 
Nur Narren warten angesichts der kolossalen Differenziertheit der 
Außenwelt auf die Resultate der wissenschaftlichen Induktion: gött 
liche muß deren allerletztes längst antizipiert haben, um ihr allere 
erstes erleben zu können. Es wäre unendlich töricht zu wähnen, daß 
die Erfahrung den Erfahrenden ewig . . . draußen bleiben lassen 
wollte. 
Die Welt ist nur das polare Rtickbleibsel der absoluten Seele, der 
differenzierte Auswuchs dieses ungeteilt innigsten Kerns, dessen gött* 
lieber Gehalt zu mehr als einer Welt ausreicht, weil er unerschöpflich 
ist. Und gerade' darum ist die Seele weltlos, radikal unauswendig, 
frei, unbedingt, um der auswendigen Welt mit ihren Schranken und 
Bedingungen polar mächtig zu sein. Diese inwendige Freiheit, diese 
unbedingte Weltherrschaft und *liebe, diese bündigste Macht und 
von allen Beeinträchtigungen reinste Idee ökonomisiert polar ihr 
eigenes Zuviel und (infolgedessen) Zuwenig, ihre eigene Differenz, 
die so groß wie die Welt ist,- ihre eigene Auswendigkeit. Und hier 
eben lauern die Gefahren nicht für ihr Sein, aber für das Festhalten 
seiner reinen Präzision und Präsenz,- hier wird sie »Mensch« er 
schüttert, erschreckt, aus der Fassung gebracht, Ihre Erfahrung be 
lehrt sie darüber, daß sie sich selbst nicht anders erfahren könne als 
zwieträchtig, zwiespältig. Und wenn Jahrtausende darüber hingehen 
sollten, bevor Ewigkeit »Zeit« polar erlernte: durch diese persön* 
liehe Ewigkeit wird dann alle verflossene und kommende Zeit schöpfe* 
risch kompensiert. Das ewig Inwendige paßt zu seiner Auswendig* 
keit absolut genau, aber nicht schlechthin unmittelbar, sondern bloß 
durch das Mittel des Äquilibrierens, das polar geübt, eingespielt 
werden soll. Die gesamte Auswendigkeit ist nichts als der Zwie* 
spalt, in den das Inwendige durch seinen Überreichtum (hinter dem
	        

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