Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

880 S. Triedfaender • Der Wag Hafter der Weft 
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das oo, das subjektive Universum nur zur gänzlich neutralen Trieb= 
kraft alles objektiven Erlebens mache, aus der alles Besonderte, Re= 
lative dann polar entspringt. 
Ein bloßer Relativist, der sich selbst, sein oo, seine eigene voran^ 
gängige Weltbedeutung vergessen hat, steht, gemessen am Anspruch 
dieses oc, nicht höher als der indisch Indifferente, der, leblos, sich 
weigert, seine stagnierende Vollkommenheit der Relativität auszu^ 
setzen. Diese Idealtypen müssen Mut zueinander fassen, damit nicht 
nur die echte Theorie, sondern auch die echte Praxis des Lebens 
entstehe. Der Relativist ohne eigene synthetische Vollkommenheit, 
ohne innere Freiheit und Ganzheit, ohne lebendige Welt=Indifferenz, 
ohne oo im Busen, wird persönlich in die Brüche gehen, und seine 
so geschwächte Persönlichkeit wird auch theoretisch nur Stückwerk 
leisten. Es brauchte sich aber am gesamten Relativismus, an der ver 
einzelten Lebenspraxis nichts zu ändern als die Influenz vom Innern 
<als vom oc> aus, und es wäre gleichbedeutend mit der Redintegra 
tion des gesamten Lebens. 
Das ist nicht zuviel versprochen. Denn zwar sind uns die Diffe 
renzen, also ebenfalls die Relativität des eigenen Inneren psycho^ 
logisch übergenug bekannt, sozusagen seine Inseln, seine Isolationen 
mit ihren verzwickten Beziehungen — aber so gut wie gänzlich 
ignoriert ist sein Meer, sein Kontinent, sein absolutes oo, das totale 
Innere der Welt: weil dieses eine völlig neutrale Größe, voller 
Leben, aber indifferent ist,- und weil wir gerade dieses Nichts aller 
Differenzierung, kraft dessen wir differenzieren, als nichts und wieder 
nichts verkennen,- weil wir, sogar im Innersten noch scharf nach 
außen gewandt, unser echtes Selbst, das unteilbar lebendige oo ver 
gessen oder mit einer seelischen Differenz, also mit bereits veräußere 
lichtem Inneren verwechseln. Aber was sind selbst die höchsten und 
edelsten aussprechbaren, somit objektivierten Teilerlebnisse der Seele 
gegen ihr universales AuFein=Mal, gegen die unaussprechliche In=- 
brunst ihres oo! Hier haben wir das Absolute, Freie, Schöpferische, 
das jedem Beweis, allen differenzierten Gewißheiten lachend über 
legene Erzdogma der persönlichen neutralen Größe, der lebendigen 
Indifferenz. Dieses ist die selbsteigene Angel des Wissens, des 
Lebens, lind dieses Aller wichtigste, aller Popularität fähig, ist bis
	        

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