Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

S. Friedfaender • Der Wag Hafter cfer Weft 883 
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äußert, ist das Herz der Welt, ist oo. Aus dem oo des Herzens 
fließt immerfort und jedesmal der Tropfen Öl, mit dem jede rela* 
tive Besonderheit königlich zu salben ist. Und alle Versuche des 
Herzens, seiner eigenen Allheit zu entgehen, bleiben umsonst,- Kultur 
solange ein riesiges Umsonst, bis es ihr gelingt, allen irgend mög^ 
liehen Wert im Herzen, d. i. als Inneres zu konsolidieren. Dort im 
Innern ist die einzige absolute Welt-Sonne, von der alle relativen 
nur matt nachschimmern, und aus deren unteilbarem Zentrum sich 
Licht in alle Vereinzelung der Radien und Peripherien ausbreitet. 
Erst wenn jedes Einzelne zum Allgemeinen verpflichtet, stumm 
darauf eingeschworen ist, — nach diesem Fahneneid auf das Unk* 
versum des Herzens darf man, unbeschadet der eigensten Absolut^ 
heit, relativer praktizieren als jemals. — Von echter Freiheit des 
Herzens hat keine Ahnung, wer sich ohne diese All-Bedenkung 
willkürlich an etwas Einzelnes hängt. Universale, wenn auch neu^ 
trale Bedachtsamkeit, ist absolute Vorbedingung zu jeder Befassung 
mit relativen Einzelheiten. Vom Allgemeinen wird das Einzelne 
bloß inspiriert: Gott, Menschheit, Welt, Freiheit, alle diese Born* 
bastereien, mit einem nüchternen Zeichen: oo, sind nichts als der 
selbsteigene schöpferische Hauch, von welchem feurig belebt, jeder 
an sein gewohntes besonderes Tagewerk gehen müßte, wenn es kein 
kümmerliches Fragment bleiben, sondern von selbst mit jedem anderen 
unwillkürlich wie nach prästabilierter Harmonie zusammenstimmen 
sollte. Alles, was ohne die reinste Integrität dieses universalen Ge 
wissens geschieht, ist »Untat«. Unter dem Einfluß des innersten oo 
ist keine Untat mehr möglich, denn von dem an rotiert alles Tun 
und Treiben spielend um eine unsichtbare Axe, die unverbrüchlicher 
ist als jede sinnenfällige. Angeblich soll das Herz das Verborgenste, 
UnmitteL und Unmitteilbarste persönliche Versteck eines jeden sein, 
in das »nur Gott« sähe, nur ein Gott. In Wahrheit — allerdings in 
simpelster, primitivster, indifferenziertester — ist zwar nicht, aber 
sollte, damit eben Sein kein fragmentarischer Unsinn, kein zer® 
stückeiter Zufall bleibe, das Herz das allgemeine Medium, das 
Herz für Alles und Jeden sein,- ohne dieses immense Cachet 
des Ein - Herz ® für - Alles ^ Habens ist jeder und jedes Einzelne 
Blendwerk, während, wenn endlich dieser simple, nicht weiter diffe-
	        
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