Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

884 S. TriedCaender • Der Wagßafter der Weit 
renzierbare Sieg des Innern beginnt, auch das letzte Vereinzelte 
noch zur Allgemeingültigkeit erlöst wird, sich der himmlische Tau 
des oo nodi an das »niedrigste« Treiben legt. Es muß also auch 
der Wissenschaft abgewöhnt werden, neutrale Größe schlechthin zu 
ignorieren, anstatt ihr die absolute Souveränität über den gesamten 
Relativismus, der sonst zum Unfug ausartet, willig und einsichtsvoll 
zuzugestehen. Hier ist etwas so streng wie lebendig Exaktes, dessen 
fernere Ignorierung zur Blamage gerade der gewissenhaftesten For^ 
schung werden würde. Das sich im eigenen Selbst entdeckende Ab^ 
solute nur deswegen aus den Augen zu lassen, weil es nicht ob 
jektiv in die Sinne, sondern bloß subjektiv in die eigene Indifferenz, 
den echten sensus communis fällt, wäre der Triumph der Ober 
flächlichkeit. 
Nicht bittend, sondern peremptorisch unfehlbar und voll der wirk 
samsten Drohung, sonst alle Wissenschaft, ja das menschliche Leben 
zur Sinnlosigkeit zu machen, tritt die lebendige neutrale Größe wie 
ein erlauchtes Gespenst alle massiven Garantien beschämend un 
besiegbar mitten auf den Plan. Hier ist die einzige Behauptung, die 
mit ihrem Erweis persönlich zusammenfällt, die universale des 
inneren oo. Es liegt nur an einem allerletzten Manko an nüchternster 
Besinnung, daß man diese einzige Selbstverständlichkeit, die es gibt, 
verkennt. 
Nun folgt aber unmittelbar aus ihr der wesentlichste Satz, zur Be^ 
fassung mit allem, was nur irgend unterschieden werden kann: es 
ist polar strukturiert. Das will bedeuten: jede Differenzierung des 
eigenen oc ist wesentlich gegenseitig und keinerlei noch so radikales 
Differenzieren desidentifiziert die Integrität des Inneren, die lebendige 
Identität des oo, die persönliche Indifferenz jemals anders als un^ 
eigentlich, als allegorisch. Man weiß also zwar nichts Differenziertes 
zum voraus. Es ist alles Differenzierte durchaus a posteriori em^ 
pirisch. Aber eben dadurch, daß man mindestens das Nichts der 
Differenzierung a priori persönlich inne hat, folgt doch zum voraus 
für alle Möglichkeit der Differenzierung, daß sie nur polar sein könne. 
Der Apriorismus, aus den letzten Schlupfwinkeln differenzierender 
Empirie verjagt, auch alle differenzierte Logik seiner Kategorientafel 
aufzugeben gezwungen, findet sich auf einmal ganz ins Innerste der
	        
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