Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

S. Triedfaender • Der Wag Hafter der Weft 889 
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nur vom Punkte der reinsten persönlichen Indifferenz aus zu ent* 
binden. Denn diese Entbindung erst würde ja noch den Tod selber 
lebendig elektrisieren ,- gerade das objektive Nichts würde hier die 
subjektive Machtvollkommenheit über die gesamte Objektivität er* 
halten. Der Funktionär der Welt, der weltfreie reine Geist offenbart 
seine weit*, d. i. differenzschöpferische Willkür, die also polarge* 
setzlich verfährt, nicht einen Moment eher als bis er sich selber zu* 
vor absolut rein von aller Differenz innehat. Alsdann aber muß er 
sie offenbaren, er muß schaffen, d. h. sich selber polarisieren, denn 
der Zwang seiner Überträchtigkeit extremisiert seine immense Iden* 
tität. Ich bin also nichts Positives noch Negatives. Identifiziere ich 
mich mit irgend etwas positiv oder negativ Angebbarem, Unter* 
schiedlichem, mit meiner Kreatur, so sinke ich in die Kreatur mit 
ihren Gebresten, Geburten und Toden,- ihrer Halluzination eines 
trügerischen Sinnenscheines, mein echter entgeht mir bis auf Spuren, 
durch die ich ihn ahne und tastend wie durch Nacht und Nebel 
wiederfinden kann. Erst meine radikale Exemtion aus dem gesamten 
Sinnenschein macht mich zu dessen echt lebendigem ewigen Medium,- 
wie ich dessen kranklebendiges, scheingesundes in allen anderen 
Fällen bleibe. Ohne dieses göttliche Selbsterlebnis bleibt auch das 
geistreichste Unternehmen Blendwerk und menschlich. Genie genügt 
nicht, man soll Divination haben. Man muß wissen, wer man ist. 
Schon die leiseste Vernachlässigung der eigenen Exemtion <auch noch 
aus »subjektiven« Äußerlichkeiten) auch noch vom »Ich« rächt sich 
durch kranke, d. h. schiefe Sinne: durch Exzentrizität und Elliptik 
des Sinnenscheins/ durch Mangel an runder Schwebkraft, durch Ver* 
schiefung in »Schwerkraft«. Man muß sich das Gehör für diese ab* 
solute Wahrheit bei Leuten erzwingen, denen ihre eigene Wahr* 
und Wesenheit längst zum Märchen geworden ist. Es handelt sich 
bei der Praktizierung dieses Indifferentismus um keine hypnotischen 
Einschläferungen durch Fixierung eines Punktes, um keine fixen 
Ideen, keine mystischen Ekstasen und Illuminationen. Dieses Erlebnis 
wurde noch niemals bisher in das nüchterne wache Bewußtsein ge* 
bracht, es ist bis auf den heutigen Tag schlecht erlebt und gelehrt 
worden. Es handelt sich um Exemtion nicht von, sondern bei und 
in aller Interessiertheit, um Indifferenz bei und in aller Differen*
	        

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