Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

5. TriedCaender • Der Wag Hafter der Weit 891 
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Person ist das absolute Neutrum der Welt, Welt * Indifferenz. 
Ohne schöpferische Person allerdings würde die Weh>Opposition in 
sich sterilisiert werden, ihr Pro würde dem Contra ohnmächtig gegen* 
überstehen, das exuberante Dritte, Vermittelnde, Wählerische würde 
als solches fehlen: und doch steckt selbst in diesem ohnmächtigen 
Schatten der Indifferenz das mächtige Original verborgen, das sich 
durch energisches Bevorzugen und Hintansetzen offenbart. Es ist 
also der kardinale Unterschied: ob man dieses Dritte persönlich* 
lebendig oder unpersönlich-leblos verstehe. Ohne Person fehlt überall 
das lebendig Vermittelnde, und selbst wo sie gleich null ist, mani 
festiert sie sich doch mindestens als vergebens aufgeforderte Mitte. 
Da die Welt gar nichts ist als Entzweiung um der Person willen, 
so kann diese nur als differenzierendes lebendiges Neutrum be 
stehen. Sobald wir also inne werden, daß Welt nichts sei als ver* 
schwenderisch polarisierte Person, und infolgedessen auch ein sich in 
der Welt hervortuendes Gleichgewicht oder Mitte, Neutrum, Indiffe* 
renz, niemals unpersönlich verstehen, so zeigt sich auch diese neu* 
trale Größe niemals als tote, immer als lebendige Bestimmung. Die 
Empirie kommt, ohne Person, niemals über Plus und Minus hin 
aus, denn selbst das empirisch Neutrale setzt sich, vor ihren Augen, 
aus plus und minus null zusammen. Aber Person ist nichts Zu** 
sammengesetztes, sondern wahrhaft überinnig indifferent aller Diffe 
renz und empirisch kombinierten Neutralität schon deshalb überlegen, 
weil diese ihr entstammt. Man soll dieses lebendig-persönliche Ur* 
prinzip der reinen Indifferenz nicht mit seinen gefärbten Nachbildern 
verwechseln, wie es leicht geschieht, wenn man z. B. »Leiber« für 
Personen hält. Mehrzahl ist immer Differenz einer Indifferenz, die 
nicht einmal Einzahl hat, sondern bloß mit Null zu bezeichnen ist. 
Im persönlichen Überschwang, in der Exorbitanz, der Hyperbolie 
der Person liegt ihre Motivation zur Weltwerdung, in der sie sich 
selbst entzweit, pluralisiert, alteriert erscheint. Ihre Allwissenheit 
durchschaut, ihre Allmacht verwendet die Welt zur immer gelingen* 
deren Polarisation, abgerundeten Insichgeschlossenheit. Sie lernt immer 
präziser mit ihrer Welt rechnen, wird immer willkürlicher der eigene 
Gott ihrer Welt, zentralisiert sich immer pünktlicher, verwechselt sich 
immer weniger mit ihren Symbolen,- mehr und mehr empfindet sich
	        

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