Full text: Der Ararat : Glossen, Skizzen und Notizen zur Neuen Kunst (1(1920),11/12)

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diger Anschaulichkeit zu zwingen, bewirken, daß 
man die Lektüre dieses umfang» und inhaltreichen 
Werkes ohne Abspannung durchhält. 
Eine Spezial-Anerkennung verdient der Verlag, 
der das Buch — der Ungunst der Zeit zu Trotz — 
in friedenswürdiger Aufmachung herausgebracht 
hat, ohne den Preis ins Exorbitante zu steigern. 
L.Z. 
Picasso Zeichnung 
<Mit Genehmigung von Leonce Rosenberg, Paris) 
Wer heute Aufschluß über den mystischen Kretenser sucht, 
muß nach diesem Buche greifen. In seinem Abschnitt 
»Licht und Farbe« ist das Beste gesagt, was bis jetzt über 
diese wichtigste Seite der Kunst Grecos vorgebracht wurde. 
Eine dringende Aufgabe steht allerdings der Kunst» 
Wissenschaft noch bevor: Das Stilproblem Greco historisch 
genetisch zu begreifen und diese Kunst einzuordnen in den 
großen Zusammenhang des internationalen Barocks. Die 
Erfüllung dieses Desideriums versprach uns Kehrer in 
seinem Zurbaranbuche. 
Mit gespannter Erwartung müssen wir auch der Ver» 
öffentlichung der Forschungen Dvoraks über das Wesen 
des Manierismus entgegensehen. Leopold Zahn. 
Wandmalerei. Ihr Wesen und ihre Gesetze. 
Von Dr. Hans Hildebrandt. Mit 462 Ab» 
bedungen. Stuttgart. Deutsche Verlags »Anstalt 
1920. 
Es gibt Bücher, bei denen man fühlt, daß in ihnen die 
beste Kraft eines Lebens steckt. Täuscht mich mein 
Empfinden, wenn ich Hildebrandts Werk über die 
Wandmalerei dieser Kategorie Bücher zurechne? 
Der vorliegende Band, der sich mit Wesen und 
Gesetzen der Wandmalerei beschäftigt, ist der erste 
Teil eines in der Konzeption und der bisherigen 
Durchführung monumentalen Unternehmens. Der 
Verfasser hat einstweilen die Probleme der Wand» 
malerei von der ästhetischen Seite her gelöst — 
ausdauernd und zielbewußt seinen eigenen Weg 
durch ein Dickicht von Fragestellungen nehmend, 
mit aufgeschlossenem Sinn für die Beziehungen des 
behandelten Themas zur Gegenwart, Dem Maler» 
Theoretiker Hölzel und dem Einfühlungs=Ästhe» 
tiker Lipps verdankt er wichtige Direktiven. Eine 
ungewöhnliche Klarheit der Diktion und die seltene 
Fähigkeit, auch das abstrakteste Thema zu leben» 
Friedrich Märker: Lebensgefühl und 
Weltgefühl, Einführung in die Gegen» 
wart und ihre Kunst. Mit 48 Abbildungen. 
Delphin »Verlag, München. 
Den Verfasser möchte ich fragen: Mußte dieses 
Buch geschrieben werden? und — mit besonderer 
Eindringlichkeit — den Verleger: Mußte es ver» 
öffentlicht werden? Womit gar nicht gesagt sein 
will, daß das Buch schlecht ist. Im Gegenteil: Ich 
räume ruhig ein, daß es eine Reihe feiner Gedanken 
und glücklicher Bilder enthält. Freilich, was sollen uns 
Sätze wie z, B. dieser: »Das Grundgesetz einer vollendeten 
Kunst aber ist, Form und Farbe von der Alltagshülle zu 
befreien und sie zu erhöhen, in ihrer nirgends geebneten 
Tiefe, ibrer stetig sich wandelnden Form und der unwäg 
bar fließenden und doch eindeutigen Farbe der Göttlich 
keit ihrer nur in seltenen Stunden sprechenden Tiefe 
sichtbarer zu tragen«. 
In dieser üppigen Wortemballage steckt ein ganz ein 
facher, oft schon gedachter und formulierter Gedanke. 
Warum aber um jeden Preis die Geduld des Lesers auf 
die Probe stellen? Das aber ist es, was dem ganzen Buche 
zum Vorwurfe gemacht werden muß: daß es ungebühr 
liche Ansprüche an den Leser stellt. Märker schreibt ein 
Buch, um uns mitzuteilen, daß der Impressionismus, der 
Expressionismus und der Kubismus seinen Anforderungen 
an die Kunst nicht entsprechen, denn er verlangt von der 
Kunst: Gestaltung des Seelischen an einem Körper. Das 
findet er erfüllt bei Marees und Cezanne (siehe auch Ra» 
Dhael: Von Monet bis Picasso). Hätte der Verfasser diese 
Picasso Zeichnung 
(Mit Genehmigung von Leotlce Rosenberg, Paris)
	        

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