Full text: Internationale Ausstellung Plastik

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Meyer-Fierz 1917 im Enzenbühl von E. Heller. Auch fremde Künstler 
werden selten beigezogen; vom Turiner Leonardo Bistolfi sind die zwei 
Marmorgestalten des Grabes Abegg-Arter Enzenbühl, von dem Tessiner 
Apollonio Pessina das Bronzerelief Frey-Gamper 1927, und von Wilhelm 
Lehmbruck die im Friedhof Fluntern so überraschende Halbfigur für 
Piet Roelli 1923. 
Nach früheren, weniger eindringenden Versuchen ist es seit kurzer 
Zeit einer Gruppe von Zürcher Bildhauern gelungen, gegenüber der 
kalten Schablonenarbeit und allzu großem Entgegenkommen an un 
begründetes Pathos und unterstrichene Sentimentalität der herkömm 
lichen Grabsteinindustrie, mit wohl durchgebildeten Originalarbeiten zu 
zeigen, daß und wie Wertvolleres erreicht werden kann. Bewährte und 
erfolgreiche ältere Bildhauer haben sich mit jüngeren zusammengetan, 
alle im gleichen künstlerischen Ernst und im Besitz einer reichen formalen 
und handwerklichen Erfahrung. 
Ihre der tiefem Absicht nach gleichartige, in der Äußerung aber 
persönliche Arbeit hat bereits eine Art Zürcher Schule gebildet, die den 
neuen Abteilungen der Zürcher Friedhöfe das Gepräge gibt und auch 
von den beweglichem unter den Grabsteinwerkstätten aufmerksam ver 
folgt und in ihren Anregungen zu Nutze gezogen wird. Freilich hört das 
Künstlerische immer dort auf, wo die persönliche Form zur kunst 
gewerblichen Formel wird. Es sieht wohl auch mancher Kunstfreund 
in der „Grabmalkunst“ vor allem kunstgewerbliche Aufgaben und Er 
gebnisse. Die Mittel, mit denen sie arbeitet, sind plastische Mittel, und 
der Grad der künstlerischen Bewertung hängt einzig davon ab, wie das 
Material und die Mittel der Form dienstbar gemacht werden. Sobald 
das Vorurteil abgelegt ist, daß nur ein Grabmal mit einer Rundfigur 
oder figürlichen Reliefs als Kunstwerk zu betrachten sei, ein Vorurteil, 
das in entsprechender Anwendung für die freie Kunst ja nicht mehr 
gilt, so treten in den Maßverhältnissen gut durchgebildete Blöcke, Pfeiler 
und Urnen ebenbürtig und überlegen neben manche trauernden Jüng 
lings- und Frauengestalten, oder andere, wie freie Kunstwerke gestaltete 
Gebilde. Die Mitglieder der Zürcher Vereinigung haben alle als Bild 
hauer schon bewiesen, daß sie mit der menschlichen Figur umzugehen 
wissen, sie binden sich aber nicht an sie. Auch die Antike hat uns 
von ihren Gräbern repräsentative Vollfiguren und Bildnisse hinter
	        

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