Full text: Ausführliches Verzeichnis, Text ohne Abbildungen ([1])

treten des Gesichts hin sowie auf die Erweiterung der Augen, die ihm eine beunruhigende 
Ausdruckskraft geben. R. Longhi glaubt (nach mündlicher Mitteilung), daß das Werk, welches 
schon von Becherucci in Beziehung zum Porträt des Guidobaldo da Montefeltro des Bronzino 
gebracht wurde, diesem Meister angehöre. 
Ausgestellt 1940 an der Mostra del Cinquecento toscano in Florenz (355, S. 39). 
Angelo Tori genannt il Bronzino 
Maler, geboren 1503 in Monticelli bei Florenz, gestorben 1572. Schüler und öfters Mit- 
arbeiter von Jacopo Pontormo, war er in Pesaro, Rom und hauptsächlich in seiner 
Heimatstadt tätig. Arbeitete im Dienste der Montefeltro, dann der Colonna und wurde 
Hofmaler der Medici. 
Besonders geschätzt wegen seiner Porträts, wurde er zum Vorbild für die Hofmaler seines 
Jahrhunderts. Er dämpfte das unruhige stilistische Suchen seines Lehrers Pontormo und 
gelangte mit köstlicher und subtiler Technik zu einer kühlen plastischen Klarheit der Form. 
727 BILDNIS EINER DAME 
Leinwand 32 X 44 
Mailand, Sammlung des Grafen Giovanni Treccani degli Alfieri 
Gutes Beispiel der Porträtkunst des Meisters. Die Unbeweglichkeit der Haltung, die marmor- 
hafte Geschlossenheit des Gesichts und die genaue Beschreibung der Kleidung nähern dieses 
Werk den berühmtesten Bildnissen des Künstlers, wie etwa der Lucrezia Panciatichi in den 
Uffizien. Veröffentlicht durch 4. Morassi (211, S. 1025). 
Tiziano Vecellio 
Geboren in Pieve di Cadore zwischen 1485 und 1490, gestorben in Venedig 1576. Aus 
der Werkstatt des Sebastiano Zuccato, in die er noch als Knabe eintrat, kam er in die 
des Gentile, dann des Giovanni Bellini. Entscheidend aber für seine künstlerische Ent- 
wicklung wurde die Berührung mit Giorgione, dessen subtile Tonmalerei unter seiner 
Hand zu einem Mittel großartig voller Farbkomposition wurde, wie die zarte, lyrisch 
verhaltene Traumwelt Giorgiones einer strahlend heitern Lebensfülle Platz machte. 
Schon mit der „Assunta“ von 1518 war Tizian Herr seines Stiles, der charakterisiert 
ist durch den goldenen Reichtum der Farbe, den Schwung der Bewegung, die monumen- 
tale Gestaltung der Bildbühne, die nicht mehr wie in der florentinisch-römischen Malerei 
ausschließlich mit linearperspektivischen Mitteln konstruiert, sondern aus der Farbe 
heraus gestaltet, durch intensive Steigerung malerischer Beobachtungen gebildet erscheint. 
Darauf bewegt sich, mit gleichen Mitteln gestaltet, eine bei aller Natürlichkeit ins heiter 
Großartige gesteigerte Menschheit, Ausdruck der vollen und glücklichen Natur des 
Malers selbst. Nachdem er sich, seit 1545, mit dem durch Michelangelo bestimmten 
Manierismus auseinandergesetzt hatte, welcher auf verschiedenen Wegen in Venedig 
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