Full text: Ausführliches Verzeichnis, Text ohne Abbildungen ([1])

Langobardisch, Anfang 7. Jahrhundert 
68 GOLDENE VOTIVKRONE, SOGENANNTE KRONE DER 
LANGOBARDEN-KÖNIGIN THEODELINDE 
Umfang 60 
Monza, Basilica di S. Giovanni Battista 
Votivkrone aus Goldblech -ıit drei Reihen von scheibenförmigen Sternkorallen in Fassung. 
Einzig im mittleren Ring sind Saphire in rhomboidischer Fassung. 1797 wurde sie von den 
Franzosen mit nach Paris geführt und dort ihrer kostbaren Steine beraubt. Nach der schwe- 
ren Beschädigung ist es nur noch annähernd möglich, sich dieses Werk der langobardischen 
Golädschmiedekunst aus dem 7. Jahrhundert vorzustellen, wie es ursprünglich war. Labarte 
(165, I, S. 232) ging irrtümlicherweise so weit, zu vermuten, es handle sich nur um eine Kopie. 
Die Echtheit ist indessen unzweifelhaft (Barbier de Montault, 12). 
Nach Venturi (311, II, S. 70—90) ist ıs ausgeschlossen, daß es ursprünglich eine Armspange, 
eine Halskette oder ein Halsband gewesen wäre; auch ist es kein Kranz, sondern eine Votiv- 
krone, wie die von Paris und Madrid. 
Von jeher in der Basilica di S. Giovanni. 
Italienisch (?), Anfang 7. Jahrhundert 
69 DECKEL DES EVANGELIARS DER KÖNIGIN THEODELINDE 
26X 34 
Monza, Basilica di S. Giovanni Battista 
Der goldene Einband besteht aus zwei gleichen Deckeln, mit einer Randleiste aus Kreisen 
und Sternen, in deren Vertiefungen roter Glasfluß eingelassen ist. Zwei große erhöhte Kreuze 
mit Rand und reicher symmetrischer Anordnung von Perlen, Saphiren und Smaragden um 
einen Edelstein in der Mitte teilen die beiden Platten in acht Gevierte mit acht Kameen in 
den Ecken des Ornaments, Zwischen den Kameen und den Querarmen des Kreuzes befinden 
sich acht kleine Leisten, die in gemalten Buchstaben die berühmte Inschrift tragen: DE 
DONIS DI OFFERIT — THEODOLENDA REG — GLORIOSISSEMA — SCO IOHANNI 
BAPT — IN BASELICA — QUAM IPSA FUND — IN MODICIA — PROPE PAL 
SUUM —. Die beiden Kameen der inneren Felder unten wurden im Jahre 1773 ersetzt. Molinier 
209, IV, 8. 16) wollte das Kleinod als „theca persica“ identifizieren, als ein Geschenk Gre- 
gors des Großen an Theolinde aus dem Jahre 603. Wenn auch stilistische Verwandtschaft mit 
anderen erhaltenen Stücken aus der Völkerwanderungszeit besteht, so überrascht das Werk 
doch durch das geschmackvolle Ebenmaß der Dekoration und die ausgeglichene Einfachheit 
der Komposition, welche die Kostbarkeit des Materials seiner rhythmischen Verteilung unter- 
ordnet (Toesca, 308, S. 332; Venturi, 311, II, S. 91 ff; Barbier de Montault). Wenn auch von 
byzantinischer Völkerwanderungskunst beeinflußt, könnte der Einband sehr wohl das Werk 
einheimischer Kunsthandwerker sein, welche die Vorliebe der Langobarden für Edelsteine 
mit dem eigenen klassischen Geschmack zu verbinden wußten (?). Die sechs erhaltenen, sehr 
kostbaren römischen Kameen dürften ein Zeugnis dafür sein. 
Seit der Entstehung Eigentum der Basilica S. Giovanni. 
Ausgestellt in Luzern 1946 (Kat. Nr. 212) anläßlich der Ausstellung der Ambrosiana. 
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