Full text: Bildende Kunst in Zürich im Zeitalter von Heinrich Pestalozzi

Man spürt, was die Landwirtschaft bedeutet; Landbau er- 
scheint als nationale Pflicht. Aus dem literarischen Aufruf 
Hirzels wird für Pestalozzi volle Wirklichkeit; er verbessert 
den rauhen Boden des Birrfeldes und lernt dabei das Volk 
kennen, wie wenige seiner Mitbürger es kennenlernen. 
Noch ein Zug charakterisiert die Zeit, aus der Heinrich 
Füßli und Heinrich Pestalozzi hervorgegangen sind: der Zug 
nach nationaler Besinnung. Bodmer hat nicht nur die Ge- 
schichte des Altertums der politischen Erziehung dienstbar zu 
machen versucht; er hat auch die Geschichte der ersten Eid- 
genossen zu beleben gewußt. Und auch hierin sind ihm seine 
Schüler Füßli, Lavater und Pestalozzi gefolgt. In denselben 
Jahren, da Lavaters Schweizerlieder in der Helvetischen 
Gesellschaft zu Schinznach gesungen wurden, ist Fühlis großes 
Wandbild mit den drei Eidgenossen entstanden, das bis in 
die neueste Zeit den Zürcher Ratsaal schmückte. Füßlis kon- 
zentrierte Kraft und die Auflehnung von „Sturm und Drang" 
spricht aus dem Bilde, das Tell darstelli, wie er aus dem 
Schiffe springt und dieses samt dem erschrockenen Tyrannen 
in den wild wogenden See und die Gewitternacht zurück- 
stößt. In jenen Jahren prägt Pestalozzi in seiner Rede von 
der Freiheit der Vaterstadt den Satz: „Patriotismus ist die 
gebildete Kraft des Bürgers zu aller Gerechtigkeit gegen sein 
Vaterland, auch im Fall, wo er sich selbst opfern mub.”" 
Von den historischen Bildern Füßlis führt für Pestalozzi ein 
Weg direkt zu den späten Bildern Ludwig Vogels. Dieser ist 
der Sohn seines freuesten Jugendfreundes, dem Pestalozzi 
schließlich das Vermögen seiner Frau zur Verwaltung über- 
gab, da er es selber nicht zu hüten vermochte. An den Sohn 
dieses Freundes schreibt er drei Jahrzehnte nach dem Ent- 
stehen der vaterländischen Bilder Füßlis: „Der Stoff zu seelen- 
erhebenden Kunstwerken liegt unermeklich in unserer Ge- 
schichte” .., Und er ermahnt den jungen Künstler, an jene 
Kreise zu denken, die „der Mittelstand verständig und wohl- 
wollend gebildet” habe, und ebenso an die Armen im Lande, 
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