Zur Kunst Hans Sturzeneggers
Hans Sturzenegger war kein Künstler, der sich speziali-
sierte. Er malte und zeichnete alles, was sein Auge, sein Emp-
finden reizte. Er reiste gern. Kein Wunder, daß er viele Land-
schaften geschaffen hat. Aber im Mittelpunkt seiner Kunst
standen nicht diese. In ihrem Mittelpunkt stand die Figur. Sie
lag ihm am meisten am Herzen. Unablässig bemühte er sich um
sie. Die Landschaft — und das Stilleben — fielen ihm leichter.
Doch er suchte nicht das Leichtere.
Sturzenegger war weder ein Impressionist, noch ein bloßer
Realist. Er stellte sich andere Ziele. Schon in der Landschaft.
Vor allem aber im Figurenbild. In diesem wollte er mehr geben
als individuelle Abbilder von Menschen. Selbst im Porträt
strebte er mehr an als das momentane äußere Konterfei des
Dargestellten. Es ging ihm darum, dessen dauernd Charakte-
ristisches zum Ausdruck zu bringen, gewissermaßen einen
Lebensausschnitt des Porträtierten zu geben.
Bei den Figuren ohne Porträtabsicht — es waren nament-
lich weibliche — stellte er einen allgemeinen seelischen Zustand
in den Vordergrund. Er gestaltete etwa eine «Nachdenkliche»,
eine «Niedergeschlagene», eine «Erschöpfte». Hodler, der frühe
Hodler, mag ihn da in gewissem Sinne ursprünglich angeregt
haben, aber eben nur angeregt. Die Lösung ist immer persön-
licher Art, ist immer Sturzenegger.
Bei Zweifigurenbildern gibt der Künstler gern ein Motiv
aus dem täglichen Leben, so zum Beispiel die Morgentoilette.
Er gestaltet es aber bewußt losgelöst vom individuellen Fall,
gestaltet es mit typischer Geltung. Er schafft keine Genrebilder.
Sturzenegger rang mit solchen Themen. Das erkennt man
schon daran, daß er sie immer von neuem zu formen sucht,
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