Full text: Moderne Ungarische Kunst 1944

versah. Diese unechten Munkäcsy-Gemälde schadeten seinem 
Ruhm weit mehr, als jene Bilder, die er vor seinem seelischen 
Zusammenbruch malte. Wer eigentlich Munkäcsy war, 
bezeugen am deutlichsten jene figuralen Studien, die er 
zu seinen großen Kompositionen machte. Die rein maleri- 
schen Werte dieser figuralen Bilder, die wunerreichbare 
Kraft des Modellierens mit Farben, die Tiefe der Töne 
müßten auch diejenigen überzeugen, die Munkdcsy wegen 
des novellistischen Inhaltes und der dramatischen Gedrängt- 
heit seiner großen Gemälde für theatralisch halten. Und 
sind doch die Kraft der seelischen Charakteristik, die Fähig- 
keit des Meisters, zu vergegenwärtigen, was er stets mit male- 
rischen Werten zum Ausdruck bringt, unvergleichlich in 
ihrer Art, Wir würden die Grenzen der Malerei einschränken, 
wollten wir die Darstellung seelischer Erlebnisse streitig 
machen 3; doch würde dies auch den Zusammenbruch der 
Größe vieler hervorragender Künstler bedeuten, Zweifels- 
ohne würde die Bedeutung eines Michelangelo und eines 
Rembrandt zusammenschrumpfen, und nur Velazquez und 
Manet würden sich bis zu den höchsten Gipfeln der Kunst 
erheben, als die unbestritten hervorragendsten Vertreter der 
absoluten Malerei. Vom Gesichtspunkt des Impressionismus 
kann Munkdcsys Bedeutung in Frage gestellt werden, aber 
jene künstlerische Anschauung, die sich über diesen Stand- 
punkt erhebt, muß unbedingt die außergewöhnliche Größe 
des ungarischen Meisters anerkennen. 
Um die Bewertung Ladislaus von Padl, der ein Freund 
Müunkäcsys war, toben nicht solche Stürme. Das rein Male- 
rische seiner Werke, der Adel seines Tones, die Stimmungs- 
werte seiner Palette wurden sowohl zeit seines Lebens als 
auch nach seinem Tode allgemein anerkannt. Ein Ungar, 
der als Meister der „paysage intime‘‘ der Barbizoner, ins- 
besondere Th. Rousseaus, würdig war. 
Doch wollen wir nicht alle hervorragenden Meister der 
dritten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwähnen. Es sei hier 
nur einer genannt, der gemeinsam mit den Franzosen die 
Pfade der Erneuerung wandelte, ohne jemals die Bilder
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.