Full text: Moderne Ungarische Kunst 1944

nicht selten mit einer plakatmäßigen Lautheit, Seine Bravour 
ist verblüffend, doch spricht die Seele nicht mehr in dem 
Maße aus seinen Werken, wie bei seinem früheren Stil. 
Die hervorragenden Persönlichkeiten der ungarischen 
Malerei, deren Werke hier ausgestellt wurden, sind schon 
längst über jene Richtungen hinaus, die die Wiedergabe der 
optischen Wirklichkeit erstrebten, und hatten ihren Stil mit 
einer Entschiedenheit ausgestaltet, daß ihn die künstlerischen 
Revolutionen, die aus Paris kamen, das Suchen nach neuen 
Stilen nicht mehr beeinflussen konnten. Übrigens fanden 
Kubismus, Expressionismus und Sürrealismus auf ungari- 
schem Boden viel weniger dogmatische Anhänger, als in 
anderen Ländern. Die Mehrzahl der ungarischen Maler, die 
mit offenen Augen durch die Welt gingen, rissen sich, — 
klüger geworden durch die Lehren, die sich aus den verschie- 
denen revolutionären Richtungen ziehen ließen, — nicht 
vollständig aus dem Werdegang der europäischen Stile 
heraus, doch warfen sie sich auch keinem so in die Arme, 
daß dies die vollständige Loslösung von der Natur bedeutet 
hätte. Die ungarische Geistigkeit ist viel zu stark im Realis- 
mus verankert, als daß sie’sich ganz in abstrakten Dingen 
verlieren könnte. Die neueren europäischen Stilbestrebungen 
gestalteten zweifellos die Malweise der jüngeren Generation 
um, ohne jedoch unsere Malerei in ihrem Ungartum zu er- 
schüttern. Vielmehr wurde das ungarische Selbstbewußt- 
sein, — wie wir es im lichtdurchtränkten Stile Josef Egrys 
sehen, — nur noch gestärkt. 
Bei den Gemälden Josef Egrys vom Plattensee ist die 
kosmische Kraft der Sonne, die alles in Farben auflöst, so 
individuell, so einzigartig und kennzeichnend, daß dies nur 
mit dem vollkommenen Erfühlen und dem vollständigen Auf- 
gehen in den Lichterscheinungen des großen ungarischen 
Sees erklärt werden kann. Ob wir nun seinen Stil Expres- 
sionismus oder Sürrealismus nennen, unzweifelbar ist es die 
ureigenste Formensprache des Malers, die nicht durch 
dogmatische Lehrsätze, sondern durch die Persönlichkeit des 
Künstlers bestimmt wird. 
T-
	        

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