Full text: Hiroshige - 1797-1858

die einzelnen Holzstöcke mit je einer Farbe einfärbt und 
in behutsamer Präzisionsarbeit von den verschiedenen 
Stöcken das mehrfarbige Bild druckt; des Verlegers, der 
als Unternehmer die Erstellung des Druckes in Auftrag 
gibt und den Vertrieb der Auflage besorgt. 
Diese vier Instanzen werden auf dem Holzstock und 
damit auf dem Bild gelegentlich alle nebeneinander, mei- 
stens doch in Auswahl, dabei vor allem der Künstler und 
der Verleger, namentlich aufgeführt, oft mit dem Erstel- 
lungsjahr des Druckstockes in japanischer Datierung. Die 
Auflösung dieser Bezeichnungen und die zeitliche Bestim- 
mung der Bilder werden freilich dadurch erschwert, daß 
die japanischen Künstler oft mehrmals während ihrer 
Lebenszeit ihre Unterschrift wechseln, indem sie, um 
einen verstorbenen Lehrer oder Meister zu ehren, nach 
dessen Tod seinen Namen annehmen oder mit dem ihrigen 
verschmelzen, und dadurch, daß die japanische Chrono- 
logie die Jahre nicht einfach zählt, sondern nach in ge- 
wissen Zeiträumen wiederkehrenden Umschreibungen 
benennt, so daß z. B. das «Jahr der Schlange» so gut 1833 
wie 1845 und wieder 1857 bedeuten kann. Sodann ist 
europäische Stilkritik nicht ohne weiteres ergiebig gegen- 
über den besonderen Bindungen und Idealen östlicher 
Kunstübung. 
Das japanische Kaiserreich ist älter als Rom. Es be- 
ginnt seine Zeitrechnung mit dem Jahr 660 vor Christus. 
Es war durch alle Zeiten dichter bevölkert als unsere west- 
lichen Gebiete. Heute zählt das Stammland allein über 
70 Millionen. Nach der herrschenden Richtung im japa- 
nischen Denken und Wollen ist Japan im geistigen und 
künstlerischen Bereich Erbe und Vollender von Indien 
und China. Neben derartiger Verpflichtung und der 
hohen religiösen Kunst, die unangetastet durch die Jahr- 
hunderte und Jahrtausende überliefert und gepflegt wurde, 
und den weltlich-aristokratischen Traditionen der Tosa- 
Schule, die seit dem 13. Jahrhundert im Glanz des Kaiser- 
hauses in Kyoto gedieh, und des Kano-Stils, der seit der 
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