Full text: Eugène Delacroix - 1798 - 1863

glänzendem Schwarz, schneeweißen Lichtern, schweren Schraffen- 
lagen und malerisch-reichen Zwischenstufen. 
Die neu erschlossenen technischen Mittel fügen sich der bewußten 
und herrischen Handschrift, diese sich dem starken Willen und Geist 
des Meisters. Die Bildnisse werden aus Masken Menschen; im 
«Faust» wechseln dämonisch geladene Visionen und Teufeleien mit 
stilleren Zwischenspielen; erschrockene schwarze Pferde bäumen 
sich auf oder erliegen dem Raubtier; königlich ernst und groß, nahe 
bei zu schön, strecken sich Löwe und Tiger in Ruhe oder mit kleiner 
Beute beschäftigt. Manche Dartellungen werden zu vollkommenen 
Schaublättern und Illustrationen, für die der Künstler sichtbar Hand 
und Stift zügelt, wenn wohl der Verleger oder die Rücksicht auf 
ihn mitzusprechen hatte. Beim «Hamlet», wo jedes Blatt mit 
unfehlbarer Schlagkraft eine auch ohne Text lesbare Situation auf- 
stellt, ist die ganze Reihe malerisch geklärt, ohne das Ungestüm des 
«Faust»; die Bilder zum «Götz von Berlichingen» erinnern gelegent- 
lich an die satte Geschlossenheit von Schabkunstblättern, andere 
sind heller, durch viel weiß gelockert, alle ruhiger in der Sprache als 
in dem, was sie sagen. Zwischen die voll und tief klingenden Schwarz- 
weißgemälde legen sich Versuche in reiner Strichzeichnung, wo die 
Feder bald leicht gleitend und spielend, bald in eigenwillig betonten 
Zügen hinfegend, Raum und Licht auf der Fläche erstehen läßt. 
Über Bedeutung und Funktion der Zeichnung im künstlerischen 
Schaffen und im besondern im Werk von Delacroix hat der Schrift- 
steller und glückliche Besitzer einer reichen Sammlung, Claude 
Roger-Marx, dem unsere Ausstellung auch wertvollste Beiträge an 
Zeichnungen und Bildern verdankt, für diesen Katalog einen aufschluß- 
reichen Aufsatz geschrieben. Er faßt in lebenslänglich-täglichem Zu- 
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