Full text: Marianne von Werefkin 1860-1938, Ottilie W. Roederstein 1859-1937, Hans Brühlmann 1878-1911

Nr. 538—62. Das «Selbstporträt mit der roten Mütze» (jetzt im Basler 
Museum) fand zur Freude der Künstlerin bei einem Ausstellungsbesuch 
die besondere Anerkennung Menzels. Während ihrer Zwischenaufenthalte 
in Zürich stand ihr eine Arbeitsstätte im Künstlergütli und nachher im 
benachbarten ehemaligen Atelier Ludwig Vogels zur Verfügung. An Auf- 
trägen fehlte es nicht, sie kamen aus der Schweiz, aus Paris und aus 
Deutschland. Auch in England und Amerika fanden sich Freunde ihrer 
Kunst. 
Nach des Vaters Tod 1891 folgte sie der Aerztin Dr. E. H. Winterhalter, 
mit der sie sich für das ganze Leben in enger Freundschaft verbunden hatte, 
nach Frankfurt a. Main, das nun ihr Wohnort und Zentrum ihres Schaffens 
wurde. Eben hatte der Malerin ein Porträt der jüngeren Schwester im 
Pariser Salon die silberne Medaille verschafft, und die Anerkennung ihrer 
Bedeutung war bereits in weitere Kreise gedrungen. So fand sie in Frank- 
furt eine warme Aufnahme, und der Beifall, den ihre ersten dort gemalten 
Porträts errangen, führte zu einer ununterbrochenen Folge von Auf- 
trägen und brachte ihr einen anregenden Verkehr mit interessanten und 
bedeutenden Menschen aus den verschiedensten Berufen und Ständen. 
Ihr Pariser Atelier gab Ottilie Roederstein nicht auf. Bis der Krieg 
ausbrach arbeitete sie in jedem Jahr dort mehrere Monate, um ihre Kräfte 
zu erneuern und um mit der französischen Kunst Fühlung zu behalten. 
Alle Erscheinungen auf dem Gebiet der Kunst fesselten die Aufmerk- 
samkeit der Malerin. Galt ihre Neigung voll den alten Meistern und den 
französischen Impressionisten, so begeisterten sie doch auch ein Van Gogh 
und andere Neuerer. Am Schaffen der Schweizer Maler nahm sie lebhaften 
Anteil, und die Leistungen unserer Meister erfüllten sie mit Stolz. Von den 
deutschen Künstlern stand ihr v. Pidoll, der Mareesschüler, am nächsten. 
Auf seine Anregung hin ging sie von der Oelmalerei zum Gebrauch der 
Temperafarben über, weil diese Technik sie in die Malweise der alten 
Meister einführte. In Florenz studierte sie die Primitiven, und in den 
Pariser Salons Ende der 90er Jahre fand sie mit ihrer Technik bei Kollegen 
und Kunstfreunden großen Anklang, weil darin das Verfahren der alten 
Meister wieder auflebte. In den «Verlobten» der Kunsthaussammlung 
und Nr. 73—77 der Ausstellung sehen wir Arbeiten aus dieser Zeit. Nachdem 
eine Verletzung der Hand sie ein halbes Jahr lang vom Malen ferngehalten 
hatte, entstand als erste Arbeit, und zwar neuerdings in Oel, das in zwei 
in
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.