Full text: Japanische Holzschnitt-Triptychen der Utagawa-Schule

147 Yo-Zakura; - gez. Köchörö Toyokuni gwa Herausgeber: 
Kirschblüten bei Nacht Tokei 
„Wenn jemand dich nach dem Geist von Yamato (Japan) fragt, so führe ihn vor einen 
blühenden wilden Kirschbaum im Duft der Morgensonne“‘, so sang der ehemalige Shinto- 
Jünger Motoori Norinaga (1730—1801), der hoch verehrte Heilige der Provinz Ise. Dieses 
heute weltbekannte Gedicht läßt begreifen, daß die Japaner die Kirschblüten mit Leiden- 
schaft lieben. Bewunderung wird ihnen wie am Tag auch in der Nacht gezollt, daher der 
Ausdruck Yozakura, Kirschblüten bei Nacht. 
Die schöne Gestalt in der Mitte des Bildes gehört einer Geisha; links steht ein Tanzmäd- 
chen, rechts ein Teehausmädchen. Sie genießen den nächtlichen Anblick der Kirschblüten. 
Zur Andeutung der Dunkelheit sind ihre Kleider in gedämpften Farben gehalten. (7) 
148 Sunshö Ikkoku Senkin no Sakai; — gez. Ichiyösai Herausgeber: 
Toyokuni gwa Kawaguchi, Sakamotochö 
Kirschblüten bei Nacht 
Die japanische Benennung für Holzschnitte dieser Art „Shunshö Ikkoku Senkin no Sakei“ 
ist einem chinesischen Gedicht entnommen, das jedem vertraut ist, der über eine auch nur 
oberflächliche Kenntnis der Literatur des Himmlischen Reiches verfügt. Sein Wortlaut 
„Shunsho Ikkoku Atai Senkin; Hana ni Seiko arl, Tsuki ni Kage ari‘ kann etwas frei 
wiedergegeben werden „Ein Augenblick eines Frühlingsabends ist tausend Goldstücke 
wert; Blumen duften süß und vor dem Mond ziehen Wolken*‘. Sein Verfasser ist So-Tö-Ba 
oder Su Tung P’o (1036—1101), einer der größten Dichter im nördlichen Sung-Reich, 
außerdem ein Meister in Malerei und Schreibkunst. 
Im Bilde genießen drei Frauen unter einem blühenden Kirschbaum den Augenblick eines 
Frühlingsabends, der nach dem eben erwähnten Gedicht tausend Goldstücke wert ist; 
doch läßt ihr Benehmen Zweifel offen, ob sie wirklich so zart empfinden. Die Haltung 
der rechts Stehenden ermangelt am meisten der Anmut. Die äußere links riecht an einer 
Blüte, die sie eben gepflückt hat. (20) 
149 Am Bataten-Stand; - gez. Kunisada aratame ni dai Herausgeber: 
Toyokuni gwa ; 
In einer von kulinarischer Üppigkeit noch kaum berührten Zeit waren beim niederen 
Volk, besonders bei den Kindern, gebackene Bataten sehr beliebt. Begierig wurden im 
Winter heiße gebackene Bataten vom jungen Volk begrüßt, und die Verkaufsstände 
fanden sich in vielen Straßen des alten Yedo. 
Im Bild backt rechts eine Frau die Früchte in einem Herd. In der Mitte trägt eine Mutter 
ihr warm verpacktes Kind auf dem Rücken und plaudert mit ihm. Da es Abend ist, hat 
sie eine Laterne bei sich, drei junge Hunde folgen ihr. Von links kommt eine dritte Frau 
mit eingebundenem Kopf und zwei Karpfen in der erhobenen linken Hand. (28) 
150 Shun- Yü Bijo no Yugaeri; - gez. Ichiyösai Toyokuni gwa Herausgeber: 
Schöne Frauen gehen nach Hause 
Drei Frauen sind im Abenddunkel auf dem Heimweg vom öffentlichen Badehaus. Da 
rollen zwei wild kämpfende Hunde in den Lichtkegel der Laterne. Im Dämmerlicht 
zeichnet sich ringsum die geschäftige Menge als reiches Schattenspiel. (81) 
151 Ryögoku Yüsuzumi-no-Zu; — gez. Toyokuni gwa Herausgeber: 
Genuß der Abendkühle bei Ryögoku Kiyotsune 
Das Bild zeigt zwei Boote unter der Ryögoku-Brücke. Im Heck des einen sitzt ein Mann, 
Ar 
„U
	        

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