Full text: Niklaus Manuel Deutsch

halter Christi und das Papsttum, wird in einigen Dichtungen Ma- 
nuels im Zusammenhang mit der Frage des Ablasses eindringlich 
diskutiert; er verweist dabei wiederholt auf die andere Stelle im 
Evangelium, wo Christus an alle Jünger sich wendet mit den 
Worten: «Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel 
gebunden sein; und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im 
Himmel los sein». Das Zürcher Bild gibt noch die vorreformato- 
rische Formulierung, Petrus wird buchstäblich mit Schlüssel und 
Kirche belehnt. Die übrigen Jünger nehmen jeder auf seine Art 
teil. 
Die erste Zuweisung der Tafel an Manuel erfolgte im Herbst 
1935 durch Max J. Friedländer. Sie mußte ebensosehr überzeugen 
wie überraschen. Das Bild brachte zu dem bisher bekannten Werk 
des Meisters eine ungewohnte Form, die einzigen unmittelbaren 
Parallelen boten sich in der ebenfalls neu entdeckten Basler Tafel: 
eine ähnliche Mehrzahl von großen Figuren in gleicher Proportion 
von Bild zu Bild und innerhalb der Bildfläche (die sichtbar be- 
schnittene Zürcher Tafel ist oben um 8 bis 10 cm zu ergänzen), 
die gleiche Einfachheit im Verzicht auf bewegte Stellungen und 
besondere Schmuckformen, ähnliches Spiel der Hände, ähnliche, 
sonst nicht bekannte Formen der Nimben, gleiche Breite und Höhe: 
Basel 152x119 cm, Zürich 154 x 110,3. Schlüsse aus Zeichnung 
und Farbe verbot der ungleiche Erhaltungszustand. Jede Mög- 
lichkeit, daß die zwei Bilder Außen- und Innenseite eines gleichen 
Altarflügels wären, wurde durch die Erklärung aus Basel widerlegt, 
daß die am Zürcher Bild gemessenen durchgehenden Fugen mit 
denen des Basler Bildes in keiner Weise übereinstimmen. In- 
zwischen wurde das Zürcher Bild von einigen Flicken und ver- 
an dorbenem Firnis freigelegt. Irgendwelche Veränderungen ergaben 
sich dabei nicht für Farbe und Plastik der Gesamterscheinung. 
Die Tafel stellt sich dar als ausgesprochenes Figurenbild von 
glasbildartiger Leuchtkraft der Farben und Festigkeit der Umrisse; 
eine gedrängte Männerschar mit starkem Wechsel von dunkel und 
hell, rot, gelb und grün; mit einfacher Gliederung in die Mittel- 
gruppe der hohen und lichten Christusgestalt und des in dunkler 
Gewandung tief vor ihm knieenden Petrus, zwei Dreiergruppen 
stehender Apostel als seitlichen Pfeilern, und, in der Mitte, einer 
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