stellt sich mit seiner raffinierten Wiedergabe von zarter Epidermis 
auch das Bildnis der Irländerin Jö, Begleiterin des mit Courbet be- 
freundeten Whistler. Unter den Stilleben aus der Gefangenschaft ist 
das rührendste und freieste der Strauß von Wiesenblumen im Museum 
von Alencon, ähnlich frisch die Apfelblüten. Am 3. März 1872 be- 
sucht ein Journalist, M. G. Puissant, den eben von der Haft gelösten 
Maler in der Klinik, und meldet, daß er an einem Stilleben arbeitet, 
einem Haufen roter Äpfel am Fuß eines Baumes, und daß das Bild 
für den Salon bestimmt sei. Man denkt an das Stilleben aus der Mün- 
chener Pinakothek; als Einsendung zum Salon werden aber rote 
Äpfel auf einem Gartentisch erwähnt. 
In der Klinik von Neuilly, wo Courbet auch im März und April 
noch bleibt, entsteht im Frühjahr 1872 das Bildnis eines Herrn Pasteur; 
diesem sendet er am 20. Februar 1873 aus Ornans, weil er wegen der 
großen Eile die Kopie verpatzt habe, das „übrigens nicht kopierbare“‘ 
Original eines Forellenbildes mit der Inschrift „187% in Fesseln ge- 
malt‘. Die Vermutung wäre, daß Pasteur dieses Original 1871/72 in 
Paris gesehen und eine Kopie danach bestellt hätte. Charles Leger 
hält es für ausgeschlossen, daß Courbet im Gefängnis eine Forelle aus 
der Loue vor sich hätte haben können und erklärt Bezeichmung und 
Datierung von Courbet als unrichtig. Courbet erhält aber im Ge- 
fängnis Sendungen aus der Heimat, Besucher bringen Blumen, Lydia 
Jolicler schickt Käse aus Pontarlier; er selbst meldet schon 1849 in 
einem Brief vom ı2. Dezember an seinen Freund Wey in Louve- 
ciennes als Geschenk an ihn und seine Frau einen großen Fisch an, 
„un roi de la Loue‘“, der in der Flußtiefe neben der Besitzung des 
Dr. Ordinaire gefangen worden sei. Merkwürdig bleibt der Glanz 
der Malerei für ein Gefängnisbild neben den sonst verhaltenen Tönen 
der Blumen von Alencon, der Münchener Äpfel und der Granaten. 
Es dürfte vielleicht doch angenommen werden, daß er den Fisch 
während seiner Haft in Neuilly gemalt hat. Merkwürdig ist auch das 
Verhältnis des Originals aus der Sammlung Pasteur zu der 1873 
datierten zweiten, mehr bildmäßigen Fassung der Forelle. Wenn diese, 
und allenfalls auch die erste Fassung, nach der Rückkehr aus Paris 
in Ornans gemalt worden ist, so hat die malerische Kraft den Künstler 
hier noch nicht verlassen. 
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