Full text: Neue Schweizerische Wandmalerei

Die Schweiz hat Anteil an der europäischen Entwicklung 
— wenn von der zeitweisen römischen Kolonisierung abgesehen 
wird — ununterbrochen von der zweiten Hälfte des ersten christ: 
lichen Jahrtausends das ganze Mittelalter hindurch, und auch an 
dem neuen Leben, das aus Italien herüber drang und die fröhlichen 
Fassaden in Luzern, Basel, Schaffhausen, Stein am Rhein erstehen 
ließ. Die Ueberbleibsel, durch die Zeit dezimiert, zerschlagen und 
abgebleicht genügen, um eben noch dies zu beweisen. Besser er: 
halten sind barocke Werke der mit dem 19. Jahrhundert in eine 
künstlerisch weniger fruchtbare, mehr handwerkliche Gepflogens 
heit hinübergleitenden Kirchenmalerei. Als Schöpfungen einer für 
sie wieder neuen Kunst begrüßten unsere Väter die Fresken von 
Ernst Stückelberg in der Tellskapelle und die figuren: und bezie- 
hungsreichen Malereien von L60o-Paul Robert in Neuenburg. 
Andere Gesinnung wirkt außerhalb der Schweiz bei Puvis de 
Chavannes und Hans von Marees. Böcklin malte seine Basler 
Fresken schon vor der Begegnung mit Marees und mehr als 
ein Jahrzehnt vor den Stückelbergschen Tellbildern. Auf der 
Schwelle unserer Zeit steht Ferdinand Hodler. 
Zürich genoß den Vorzug, in dem aufrüttelnden Kampf 
um die Hodlerschen Fresken im schweizerischen Landesmuseum 
wie an Grundfragen der Malerei überhaupt, so auch der Wand- 
malerei herangeführt zu werden. Verbreitet und vertieft wurde 
die Auseinandersetzung noch einmal aufgenommen bei der Voll. 
endung der Zürcher Universität. Ihr Erbauer Karl Moser hatte 
sich schon für eine Ausmalung der Loggia im Zürcher Kunst- 
haus von 1910 an einen von Hodler unabhängigen Schweizer ges 
wendet, Hans Brühlmann, der in Stuttgart neben Adolf Hölzel 
im Aufblick zu Giottos strenger Flächenteilung und Ausdrucks- 
kraft und zur absoluten Malkunst von Cezanne eine Synthese 
suchte. Der vorzeitige Tod löschte sein Leben und Werk vor der 
vollen Entfaltung. In einer Zeit, die auch die Flächenmalerei 
eines Gauguin inzwischen aufgenommen hatte, schritten die 
von Karl Moser als Mitarbeiter herangezogenen jungen Zürcher 
— 9.
	        

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