Full text: Juan Gris - du 2 au 26 avril : Fernand Léger, du 30 avril au 25 mai

HANS - 
NEILMAIER 
Als der formzerstorende Impres- - 
sionismus sich seinem fatalen Ende 
näherte, suchten die « Fauves » mit 
Henri-Matisse an der Spitze dem A 
Bilde durch das Mittel der Farbe ' | 2 
eine neue Struktur zu verleihen. 
Um die gleiche Zeit setzte die 
Reaktion, besser gesagt, der For- — ie AEA 
maufbau der Kubisten mit Braque bod ee GER 
und Picasso als Pionieren ein. pl pes 
Auch Légers entscheidende ar mt 
Anfänge fallen in jene Epoche, doch fr ] | 
trat der Unterschied zwischen seiner va I bh 
und der Kubisten Gestaltungsweise ‚3 
schon damals, in seinen « dynami- | 8 ' ; . 
schen » Kompositionen (Nus dans ' © 
la Forêt ») in Erscheinung. In keiner Ç | 
seiner Früharbeiten begegnet man 4 me 8 
jener Aufteilung des Motivs in 
Einzelvolumen wie sie den Kubisten 
eigentümlich war. Sein Bemühen, 
um eine Zergliederung des Bild- 
ganzen herumzukommen, kann teils auf 
das naheliegende Beispiel Cezannes, in der 
Hauptsache aber auf die vorwiegende 
Bedeutung des Objekts in des Malers | 
Gesamtwerk zurückgeführt werden : das «> 
Objekt als plastische Funktion im Bilde, , pr . 
unbeschadet seiner empirischen Bedeutung. le A ; 
Die Diktatur des Gegenständlichen in der > +. LU A 
Renaissancemalerei und deren subjektive ; A A + NO A cS 
Auffassung führte zum Gebrauch bildgestal- Co = * ’ = 
tlich untauglicher Mittel. RAR Cm # ; 
Die Primitiven, ob man an Negerkunst id 1] -. A 
oder an die Bildner der Kathedrale denke, PA ‘Aw Wy “4 hoa 
waren objektiv. Das religiöse Sujet blieb X rm I 
ungeachtet seiner symbolischen und % - 
kultischen Bedeutung den künstlerischen ew i 
Formgesetzen untergeordnet. Darum bleibt - . - ” 
eine mittelalterliche Plastik, die uns moti- % 
vlich nichts mehr zu sagen hat, als künst- I 
lerische Schöpfung unserem Empfinden nah. ' 
Folgten die Primitiven diesem zeitlosen a 
Gestaltungskanon instinktiv, so gehorcht Shy a = 
ihm Leger mit Bewusstsein. Er wählt die A AIS, ju" = = 
menschliche Figur, Maschinenteile, Mess- ; A eu £ Lp a 
punkt instrumente usf. unter dem einzigen 7 A = Fy LO au a LC ua 
Gesichtsihrer plastischen Formeignung. Das +- 3A | Lage ID pu :0 
Zusammenhausen heterogenster Dinge im kb Es ; us 
Bilde rechtfertigt er durch ihre Formver- DZ YO wal 
wandschaft, der sich die der Farbe gesellt. Al Eg 
Sein puritanischer Verzicht, auf « Expres- M … 
sion », Stimmungswerte und andere sekun- oT 
dire Gestaltungsmittel befreit Legers ; 
Kunst von überflüssigem Ballast und zeigt A 
sie ın ihrer elementaren Schönheit, die auf 
der strikten Einhaltung der jeder Kunstart à 
vorgeschriebenen Grenzen beruht. 
Von diesem Standpunkt aus allein wird ; 
man seinem Schaffen gerecht, versteht E 
man die grosse Reinemachearbeit, die er Vas 
für seine Epoche geleistet hat. Seine Ww. ' 
Erkenntnis vom Gebrauch der wesentlichen ~~ 
Mittel lasst an einen andern das Schaffen ei 
seiner Zeit befruchtenden Maler denken : = 
an Seurat. 
1929 
4 
1999
	        

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