Full text: Ausstellung Pierre Bonnard, Edouard Vuillard

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helle Steingesims und die Rückwand der Nische, in welcher 
der Krug steht, er färbt die Flüssigkeit im Glas goldrot und 
läßt die obere Hälfte saftgrün. Ein violettbrauner Schattenstreif 
trennt grün und gold, Audi über den Strauß in dunkelgrün, 
rot und lilaviolett mit goldrot tropft gelbes Licht, Erst spät 
sieht man den schattenhaften Menschenarm am Bildrand, 
Einige Jahre vor diesen letzten, illuminierten Bildern aus 
Südfrankreich ist, 1923, die «Terrasse von Vernon» entstanden, 
eine Frühsommerlandschaft voll Glanz und Frische,- ein Stüde 
Gartentisch unter blauweiß gestreiftem Tuch, ein Stück gelb** 
roten Terrassenbodens, ein Eckchen Rasenteppich, eine Holz 
lehne, die eine unsichtbare Treppe steil zum Ufer hinab be 
gleitet, tiefschattiges, grünes Laubwerk mit lichtentflammten 
Rändern, schlankstämmige Bäume, ein Stück hellgrüner Ufer** 
Aue, ein Durchblick auf den leicht gekräuselten blauen Fluß, 
dahinter das sommerliche Land in gelben und blaugrünen 
Bändern, der Himmel mit hell entzündetem Horizont und blauer 
Höhe, Am Bildrand vorn im hellen Bademantel eine weibliche 
Gestalt im Liegestuhl. 
In den drei kleineren Oberlichtsälen bestätigen eine größere 
Zahl von Bildern in mannigfaltigen Abwandlungen, was die 
hier näher berührten Werke ausprägen. Der allgemeine Themen^ 
kreis Stilleben, Landschaft, Akt, Gruppenbild im Innenraum 
und im Freien, wird nicht erweitert, gibt aber der Phantasie 
des Meisters unerschöpflichen Stoff für immer neue und reichere 
Wirkungen. Die Farben erwärmen und entzünden sich von 
Bild zu Bild unmerklich. Was außerhalb des Zusammenhangs 
in manchen Spätwerken Wagnis und Schärfe scheint, ist wohl 
begründete, natürliche Entwicklung, in ihr ist jedes Bild voraus 
gestaltet und verankert. Der stille Weg führt doch rasch vorwärts, 
von den aufmerksam schildernden Familien** und Straßenszenen 
um 1900 zu den milden Stilleben und Akten von 1910 bis 1915 
und den nur noch im farbigen Lichte schwingenden, befreiten 
Formen und Gestalten der neuesten Zeit, Er führt von An 
mut und stiller Wärme, von sicherer Festigkeit und Kraft im 
Zarten, zu Leidenschaft in Glut und Glanz, Das äußere Bild
	        

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