Full text: Ausstellung Pierre Bonnard, Edouard Vuillard

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der leuditend rot und gelben kleinen Leserin, dem lichtblauen 
studienhaften Bildnis Madame H. und dem in grünem Glanz 
gebadeten, gesdtloßenen Monsieur J. H, von 1905, 
Der spätere Vuillard weitet Stube und Salon, das Städte 
gefängnis, durch schiefe oder überhöhte Ansicht, und indem er 
die Menschen und Dinge auf der Diagonale oder da und dort 
in der Mitte und an den Wänden verteilt, die Leere zwischen 
ihnen sichtbar macht; er versetzt die Wände, indem er sie in 
Spiegeln vervielfacht und entrüdct, und öffnet den Innenraum 
dem Unbegrenzten, indem er ihn zum Tummelplatz des Lichtes 
macht, das, oft aus widerstreitenden Quellen, in ihm strömt und 
wogt. Die schon etwas verzwickte «Partie de dames» von 1906, 
eine zweite «Après=midi bourgeoise» neben der von Bonnard, 
und von wie anderem Humor, mit dem Tief blick auf den flockig 
grauen Hausplatz, die drei Damen, die in Reih und Glied 
Siesta halten, und die mit muntern Farben ausgestatteten Schach 
spieler, dem schiefen Fensterladen und dem vom Rahmen ah= 
geschnittenen Rasenstück, leiht etwas von ihrer Spannung auch 
dem glitzernden Interieur mit Mutter und Kind vom gleichen 
Jahr. Beim «Ehepaar J. H., Rue de Rivoli», wo sie durch die 
Distanz zwischen der im Mittelgrund sitzenden hell gekleideten 
Frau und dem weit hinten in der dunkeln Türöffnung stehenden 
Mann geschaffen wird, kommt noch die weitere Teilung durch 
das nach unten weißgelbe, nach oben durch den Schirm rosa 
gefärbte Lampenlicht hinzu. Bei der Hutprobe vor dem Spiegel 
flutet durch die bis auf den Boden reichenden Fenster hellgrünes 
Tageslicht herein und färbt das ganze Zimmer mit allem, was 
darin ist, in lilarosa und grün. Die große Leserin sitzt im schief 
gestellten Lehnstuhl in himbeerrotem pelzverbrämtem Kleid vor 
Wänden, die nur andere spiegeln, und wie die Wände mit 
ihrem reichen Bilderbehang, spiegeln sich eine golden strahlende 
Lampe auf einem Tisch und, sogar zweimal, eine weiße Decken^ 
lampe und mischen ihr direktes und reflektiertes Licht, Tag und 
Lampe streiten sich im Intérieur «Soir» um einen tiefroten Tep 
pich und einen reichen Perser, um das weiß-rosa und grünlich- 
rosa Täfer und hohe, kühle Spiegelflächen. Im «Salon» sitzen
	        

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