Full text: Ausstellung Salomon Gessner

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«Erste Zeichnung - . 
In weiter Entfernung, die sich mit einer leichten und schönen 
Luft vereinigt, zeigen sich angenehme Gebürge, die mit Gebäuden 
und geschmückten fruditbaren Hügeln nach und nach dem Auge näher 
kommen. An dem Fuße derselben liegen prächtige Landhäuser im Geist 
der alten Villen mit zierlicher Einfalt aufgeführt, umpflanzt mit Bäumen 
und Lustwäldern, an einem stillen, aber heiteren Wasser, das mit 
kleinen Lustnachen befahren wird, und der Herde zum trinken dient. 
Eine bezaubernde Gegend, die bey dem empfindlichen Anschauer den 
Wunsch erregt, in solchen Revieren seine Tage hinzuleben. Jtzt wird 
das Erdreich nach und nach rauher,- das sanfte Gewässer ergießt sich 
in dem Vorgrund in einen Strom, welcher über kleine Felsenstücke 
hinrollt, und sich in Schaum auflöst. Die erstaunte Sinnen werden 
von der Betrachtung jener stillen und sanften Gegend gleichsam auf 
geschreckt, und von dem Anblick rauher Felsen und wilder Wellen 
des herabstürzenden Stromes in angenehme Schwermuth hingerissen. 
Ein Fels, der dem Künstler zum Hauptlicht dient, erhebt sich, 
mit Moos bewachsen, neben diesem Strom stolz in die Höhe, bis 
auf der Oberfläche die angenehmsten Wiesen, welche der Heerde zum 
Futter dienen, sich nach und nach in die Ferne verlieren. Fast am 
Ende des Felsens hat der Künstler eine Partie vortrefflicher Bäume 
angebracht,- sie verrathen die ausgesuchteste Kunst und die wirklichste 
Natur, und geben dem Ganzen eine angenehme Verbindung. Ein 
antidces Grabmal, mit Gesträuch überwachsen, ruhet unter dem Schatten 
dieser Bäume. 
Der Vorgrund dieser Landschaft ist außer etlichen schwachen Lieh* 
fern, die besonders einen müden Hirten, welcher der Ruhe genießt, 
beleuchten, und einiche Reflexe auf das angenehme Gebüsche werffen, 
ganz im Schatten. Zween große Bäume, die bis an die äußerste Höhe 
des Stückes reichen, geben dem Ganzen eine wahre Größe. 
Zwote Zeichnung. 
Das Gegenbild dieser Landschaft ist von entgegengesetzter Er* 
fmdung und Zusammensetzung. Da jenes eine ausgesuchte Natur 
vorstellet, so ist in diesem hingegen eine einfache und ungekünstelte
	        
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