Full text: Frank Buchser 1828 - 1890

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Vollständigkeit nach dem zahlenmässigen und stofflichen 
Umfang schliesst aber für die Ausstellung Vollständigkeit 
im Wesentlichen und Richtigkeit des Gesamtbildes nicht 
aus, und die Art der Auswahl und der künstlerischen 
Gruppierung der Werke in den Ausstellungssälen schlägt 
Brücken auch über Lücken in der Dokumentierung nach 
Stoffgebieten und Jahrzahlen. Und wenn immer man die 
chronologische Aufräumungsarbeit als notwendige und 
verdienstliche Aufgabe - aber immer nur als Weg, nie als 
Selbstzweck und Ziel - anerkennt und betreibt, so bietet 
die Ausstellung über die eigenen Angaben des Künstlers 
hinaus tatsächliche und handgreifliche Hilfen. 
So wird die bisher abwechselnd in die Jahre 1853 
und 1856, aber immer nach England verlegte und doch 
mit den Werken des ersten englischen Aufenthaltes nicht 
ohne weiteres vereinbare „Eleonore” einmal stofflich und 
technisch verankert durch die Studien Nr. 110, vom 
Oktober 1855, nach einem Schweizersee und den sitzen 
den Rückenakt Nr. 112. Eine Nachprüfung der Schrift auf 
der eigenhändigen Radierung nach dem Bilde, die bisher 
„London 1853” gelesen wurde, zeigt, dass Buchser bei der 
Jahrzahl unterlassen hat, die Ziffer 6 auch in Spiegelschrift 
umzudrehen und sie deswegen auf dem Blatte mit der 
Oeffnung nach links steht, aber deutlich als 6 und nicht als 3. 
Es ist wenig wahrscheinlich, dass Buchser auf seine 
zweite Reise nach England im Herbst 1856 einen Koffer 
voll Berner Trachten für seine Londoner Modelle mit 
genommen hat; das Handwerk und die Auffassung der 
Schweizer Landschaft von 1855 weisen mit der Hand 
schrift im Eleonoren-Bild die grösste Liebereinstimmung 
auf, und die Badestelle ist ein charakteristischer Fluss 
winkel des schweizerischen Mittellandes. So wird das Bild 
nach der Rückkehr vom ersten englischen Aufenthalt 
während des Sommers 1855 in der Schweiz gemalt und 
1856 vielleicht im Winter in London fertiggestellt, ausge 
stellt und gleichzeitig radiert worden sein. Die englische 
Küstenstudie Nr. 111 von 1856 steht ihm noch sehr nahe. 
Um das gewichtige Mittelstück einer „Mary Blane“, 
deutlich datiert 1871, legt sich ein Kranz von weiteren 
Szenen und Figuren aus dem Leben der amerikanischen 
Plantagenneger, dem Umkreis von Onkel Toms Hütte.
	        
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