Full text: Schweizerische Städtebau-Ausstellung Zürich 1928

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Vor 8o Jahren hatte das Gebiet der heutigen Stadt etwa 35,000 
Einwohner oder etwa acht Personen auf die Hektare. Heute sind 
es ihrer 50, die sich auf diesem Quadrat von 100 m Seitenlänge 
gegenseitig das Leben sauer machen. Damals vor 80 Jahren be 
gann Zürich zu wachsen, rasch, sehr rasch. Die unternehmungs 
lustigen Leute bauten im Glauben an eine rosige Zukunft Miet 
häuser, weil man es an andern Orten auch so machte und weil 
der Gewinn am Grund und Boden verlockend hoch war, bei vier 
Stockwerken höher als bei drei. Und warum sollte man nicht, 
wenn doch die Regierung dieser Art der Wohnhausproduktion 
bereits im Jahre 1863 durch die «Bauordnung für die Städte 
Zürich und Winterthur und für städtische Verhältnisse über 
haupt» ihren Segen erteilt hatte? Nach diesenVorschriften durf 
ten z. B. Häuser gebaut werden, mit einer Fassadenhöhe, die im 
Maximum das Doppelte von der Strassenbreite, in der sie stan 
den, betrug—fast wie im Mittelalter! So wurde also weiter ge 
baut, vier- und fünfstöckige Mietkasernen mit Strassenfassaden 
in Backsteinen, mit Haustein umrahmten Fenstern und engen 
Höfen. 
Mit der Zeit müssen doch Bedenken gegen diese intensive Aus 
nützung des Bauterrains aufgetaucht sein. In das heute noch gül 
tige Baugesetz, das mit der Stadtvereinigung 1893 i n Kraft trat, 
sind verschiedeneVorschriften auf genommen worden, die auf eine 
lockerere Bebauung tendieren. Aber immerhin noch: Fassaden 
höhe gleich Strassenbreite; wie sollen da die Erdgeschosswoh 
nungen Luft und Licht erhalten. Hofbreite gleich zweidrittel der 
Fassadenhöhe, das genüge zum Teppichklopfen. Die Kinder sol 
len sich auf der Strasse tummeln. Und wer etwas anderes bauen 
wollte als Miethäuser — z. B. Kleinhäuser für den Arbeiter und 
Angestellten - der musste seinen Idealismus mit zu dicken 
Mauern, zu hohen Zimmern und mit sonst noch allerlei das 
Bauen verteuernden Kleinigkeiten büssen. So wurden denn wei 
ter Miethäuser gebaut: Kleine Wohnungen in langen Häuser 
reihen, mittelgrosse Wohnungen in rechteckigen Blöcken und 
grosse Wohnungen als englische Burgen. 
Dass einheitliche Grundlagen für die Stadtentwicklung uner 
lässlich sind, hatte man schon lange erkannt und deshalb im
	        
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