Full text: Japanische Holzschnitte

VIII 
rende Betrachtungsweise wird mit dem klassischen japa 
nischen Holzschnitt nur so lange etwas anzufangen wis 
sen, als er Sensationen, neue «Reize», an sich entdecken 
lässt; für sie wird er ein Objekt der Mode sein, die kom 
men, gehen und wieder kommen kann. Im Osten ist er 
aber während eines Jahrhunderts selbstverständlicher und 
allgemein verstandener Ausdruck für Fühlen und Denken 
eines Volkes gewesen. Sein ganzer Gehalt, die ihm inne 
wohnende Kraft, wird von der nur ästhetischen Betrach 
tung nicht erschlossen. Die Frage ist, ob der verbleibende 
Rest für uns Bedeutung hat und die Betrachtungsweise 
von der breiten nationalen Grundlage her für uns sich 
lohnt; ob Japan uns in seinen Holzschnitten künstle 
risch und allgemein-menschlich Wesentliches zu geben 
vermag. Ein Kunstwerk formuliert irgendwie ein Ver 
hältnis des Menschen oder eines Menschen zur Welt. 
Für uns ist wichtig, ob in den japanischen Holzschnitten 
der Sammlung Boiler, nach Würdigung des oft schwer 
zugänglichen besonderen Sachverhaltes in jedem Blatt, 
wir uns «angesprochen», uns erkannt, in unserer Lebens 
anschauung durch Gleichklang oder Gegensatz bestätigt 
fühlen. Ein Blick auf die Werke zeigt — neben einer gross 
artigen künstlerischen Voreingenommenheit, dass Form 
gefühl das Erste und Letzte ist — viel würdevolle Ge 
messenheit, Stolz, Beschaulichkeit, Anmut, Naturfreude, 
und auch viel halbverstecktes und offenes Lächeln und 
vergnügtes Lachen. 
Das Material ist für die Ausstellung indreiGrup- 
p e n zusammengefasst worden, selbständige Bilder und 
Folgen, die kostbaren kleinen Surimono, d. h. Glück 
wunschblätter, und die Bücher. Die Ausstellung selber 
ist zweigeteilt, die erste Hälfte, Nr. i—ijj, wird
	        
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