Full text: Japanische Holzschnitte

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Langbild des Dritten der grossen Torii-Meister Beachtung 
verdient, weil dies Format seine besondere Vorliebe besass, 
tut sich ein Frühling an Farben und Formen auf: Naga-e 
und andre Blätter des Suzuki Harunohu und seines Freun 
des und besten Schülers Isoda Koryusai. Die Grazie der 
Zeichnung, die puppenhaften Körper dieser Rokokofiguren 
mit ihren überkleinen Händen passt vortrefflich zu den 
galanten Stoffen. Einer besonders — darf ich sagen an 
dächtigen Betrachtung empfehle ich das Farbenbuch des 
Tachihana Minko, das im Todesjahr des Harunobu erschien 
und von einem begeisterten Fachmann, Fritz Rumpf, so 
gar für das schönste aller japanischen Farbenbücher ge 
halten wird. Zu den schönsten gehört es mit seiner bereits 
das malerische Element streifenden Auffassung der Zeich 
nung und seinen zarten, aquarellartigen Tönen auf jeden 
Fall. Wie schnell sich die Holzschnittkunst entwickelte 
und nach wenig Jahren völlig neue Typen und Farben 
kompositionen schuf, zeigt die nächste Gruppe, das Dop 
pelgestirn Shunsho und Torii IV. Kiyonaga. Man kann sie 
die «Idealisten» nennen. Der erste, von dessen berühmten, 
mit Shigemasa zusammen herausgegebenen Büchern unsre 
Ausstellung gute Proben zeigt, aber auch eins seiner be 
liebten Schauspielblätter darbietet, ist fraglos der vielseiti 
gere und bedeutendere, Kiyonaga, auf dessen königliche 
Frauengestalten besonders aufmerksam gemacht sei, der 
gefeiertere. Die Sammlung Boiler besitzt auch zwei kleine 
Schauspielerblätter aus dem Anfänge seines Wirkens. Nun 
folgen die grossen «Eklektiker», der aristokratische Hof 
maler Eishi mit seinen übervornehmen schlanken Gestal 
ten (es sind auch Proben der Epoche seines Wirkens aus 
gestellt, die ihn noch in Kiyonagas Fußstapfen zeigen), der 
zweite Höhepunkt der Holzschnittkunst nach Harunobu: 
Kitagawa Minamoto Utamaro I., in dessen Werken man 
alle Stadien der raschen Entwicklung des Holzschnittes 
verfolgen kann, und sein Freund Toyokuni L, der neben 
das Gebiet der Weiblichkeit das der Bühne stellt und ge- 
wissermassen den Utamaro ergänzt. Die Werke von Schü
	        

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