Full text: Johann Heinrich Füssli, Henry Fuseli, 1741 - 1825

VIII 
Malern, namentlich auch Schweizer Künstlern in aller Herren 
Länder in Verbindung stand, so war er anderseits mit Klopstock, 
Wieland, Winckelmann, E. v, Kleist, Bodmer und Breitinger be 
freundet, Dabei haust er still für sich inmitten seiner Bücher und 
Kunstsammlungen, macht aus seinem Heim einen «Zufluchtsort der 
Künste, der Freiheit und des guten Umgangs» so daß fast jeden 
Abend sich Leute jeden Ranges und Alters bei ihm zusammenfinden 
zu ungezwungener Unterhaltung in Gesprächen, die vom Scherzhaften 
zum Ernsthaften, von Kunstsachen zu politischen und moralischen 
Untersuchungen gehen. Auch ohne die direkte Mitarbeit an den 
Büchern des Vaters würde der junge Füßli, einmal dem ersten Knaben 
alter entwachsen, in dieser Luft die Lockung einer größeren geistigen 
und künstlerischen Welt wohl empfunden haben, Er liest und zeichnet 
weiter, nun auch nach Franzosen, Italienern, nach Callot und ge 
schmeidigen Zeitgenossen Nelson, Eisen, Cochin/ seine Hand wird 
leicht, spielend faßt er die Menschen, die er um sich sieht, und ent 
wirft altertümelnde Folgen von Künstlern, Gelehrten, Helden, ein 
Narrenbuch, einen Eulenspiegel, 
Man ist Zeuge wie der junge Füßli, unermüdlich und ungestüm, 
sich der Erscheinungen und Ideen bemächtigt, die im Kopf und um 
die Person des vielseitigen Vaters kreisen — das künstlerische Welt 
bild des 18, Jahrhunderts — und die ihrerseits von ihm Besitz er 
greifen. 
Nicht weniger bestimmend als die Welt des Vaters ist die Be 
rührung mit einer zweiten Persönlichkeit: Johann Jakob Bodmer, 
Er mag schon damals, in den 1750er Jahren, der «Vater der Jüng 
linge » gewesen sein. Nüscheler berichtet, daß er den jungen Füßli, 
wieviele andere, für die Poesie, die patriarchalische, geworben habe. 
Seine « patriarchalische » Poesie war die Poesie überhaupt, im Gegen 
satz zur damals modischen Hof- und Schuldichtung; die griechischen 
und lateinischen Epiker und Lyriker, die großen italienischen, französi 
schen, englischen und deutschen Dichtungen aller, namentlich aber 
früherer Zeiten. In Zürich erschien von seiner Hand 1732 die erste 
Uebersetzung von Miltons Verlorenem Paradies, während Deutsch 
land erst 1793 und 1823 nachfolgte, 1740 veröffentlichte er sein Be 
kenntnis «Vom Wunderbaren in der Poesie», 1757 als lang verges 
senen, kaum noch verstandenen Schatz, ein Fragment des mittelhoch
	        
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