Full text: Johann Heinrich Füssli, Henry Fuseli, 1741 - 1825

IV 
auf ein frühestes großes Bild zurückgeht, aber in der malerischen 
Durchbildung und den Einzelheiten, wie den Figürchen auf dem Putz* 
tisch, sich deutlich von der zwar nicht ältesten, aber noch in den An* 
fang der 1780er Jahre gehörenden robusteren Fassung in Hochformat 
unterscheidet, um sich viel näher zu einem Spätbild wie die Schlum* 
mernde mit der Elfenkönigin auf dem Schmetterlingswagen zu stellen ,- 
oder in den zwei Bildnissen der Magdalena Heß, dessen dämonische 
Belebung noch mit dem im Hintergrund auftauchenden Schattengesicht 
versucht wird, und dem völlig in der einzigen Figur zusammen* 
gefassten und beherrschten der Miß Otway Cave, wo die Dämonie 
in jeder Linie und jedem Farbton und dem ungebrochenen Wuchs 
des ganzen Bildes liegt. Als gesund*blühende Mitte stehen innerhalb 
dieser Grenzen die Kompositionen zum « Sommernachtstraum », näher 
bei einer andern Art von poetischer Durchdringung Werke wie «Sünde 
und Tod» und die « Dame im Mondschein ». Die Spätwerke werden 
zusehends einfacher und gelassener,- der Künstler horcht von der 
Oberfläche weg auf immer tiefere Stimmen. 
Umfassender, nicht nur nach der Zahl, sondern auch nach den 
verschiedenen Formen und dem Grad des künstlerischen Ausdrucks 
ist die Ausstellung der Zeichnungen. Ihre sechs Säle bilden 
räumlich den Rahmen zu den zwei Bildersälen. Es mag sich aber 
bald die Empfindung einstellen, daß die Bedeutung und der größere 
Reichtum der Gesamtausstellung bei ihnen liegt. Etwas über 500 
Blätter standen zur Verfügung, 300 wurden ausgewählt und nach 
ihrer Zusammengehörigkeit geordnet. Der zeitliche Ablauf ist lückenlos 
von 1755 bis 1822,- kaum ein Stoffgebiet fehlt. Sie sind bei näherem 
Zusehen freilich gar nicht so zahlreich, gleiche Motive und Motiv* 
gruppen werden in jedem Jahrzehnt wieder neu behandelt. Wie sich 
die innere Stellung des Künstlers zum Gegenstand und zur Welt 
wandelt, lassen schon einige Abbildungen dieses Kataloges erkennen, 
etwa die Ffauenbildnisse der Marta Heß <Kat, Nr. 124) und der auf 
dem Umschlag abgebildete Kopf von 1811 <Kat. Nr, 288), die beiden 
Zeichnungen zum « Albdrücken » von 1778 und 1810, die Gestalten 
der den Mamillius führenden Hofdame, die drei Damen von Nr. 221, 
die einzelne Figur Nr, 319, Die Hand folgt der Einstellung des 
ganzen Menschen zu den Dingen. Anregend und beredt ist sie immer, 
Füßli fährt ja schon als Knabe mit geblähten Segeln. Sein eigent*
	        

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