Full text: Johann Heinrich Füssli, Henry Fuseli, 1741 - 1825

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liches «Jugendalbum », der Klebeband im Zürcher Kunstbaus mit 
den 200 Zeichnungen aus dem zweiten Jahrzent seines Lebens, blieb 
als Ganzes außerhalb der Ausstellung,- er steht in der graphischen 
Sammlung des Kunsthauses zur Besichtigung zur Verfügung. Die 
frühesten ausgestellten Blätter stammen aus dem Jahr 1755, darunter 
bereits eine Hamletszene. Sie sind nur Vorspiel und Einleitung, Knabe, 
Jüngling, Mann und Greis bekennen sich nach Blut und Geist in einer 
beispiellosen Folge von Kompositionen und Skizzen jeden Umfangs und 
der verschiedensten Technik,- das Werkzeug entspricht immer auch der 
innern Temperatur und dem künstlerischen Ziel, Der Katalog grup* 
piert die Zeichnungen auf dem Papier, die Ausstellung vereinigt sie 
nach ihrer Verwandtschaft in den einzelnen Sälen, Damit ist zu ihnen 
der Weg gewiesen. Schwerer machte man sich gelegentlich den Zu* 
gang zu der Kraft, die sie geschaffen hat. 
V on außen betrachtet, stellen sichdas Leben und die persönliche 
Erscheinung Füßlis als Künstler ungefähr so dar: 
In der gesellschaftlichen und politischen Enge des Stadtstaates 
Zürich gerät sein jugendliches Rechtsempfinden in Konflikt mit einer 
autokratischen Obrigkeit, er geht, wenig mehr als zwanzigjährig, 1763 
als eine Art politischer Verbannter zu größerer geistiger und persönlicher 
Freiheit nach Deutschland, wendet sich dann, 1764, als Mittler 
zwischen deutscher und englischer Dichtkunst und Wissenschaft nach 
England, wird nach wenigen Jahren durch einen englischen Maler 
selber der Malerei zugeführt, lebt als Kunstjünger einige Zeit in 
Italien, kehrt 1779 nach einem mißglückten Versuch, in Zürich wieder 
anzuwurzeln, endgültig nach England zurück, heiratet eine Eng 
länderin und verläßt England während 45 Jahren nur einmal, um 
1802 in Paris die von Napoleon zusammengetragenen Gemälde zu 
studieren. In England verschafft er sich rasch Geltung und An* 
sehen, wird schon 1788 Mitglied, dann Dozent und Inspektor der 
englischen Malerakademie, schreibt englische Bücher, malt Bilder zu 
nationaUenglischen Dichtungen und wird als englischer Maler 1825 
neben Sir Joshua Reynolds in der Londoner St, Paulskathedrale be* 
graben. Im ganzen Leben wie im künstlerischen Wesen ist Füßli 
nur die Verneinung schweizerischen Wesens und Masses, wie es in 
andern Zürcher Figuren des 18, Jahrhunderts, etwa den Salomon 
Geßner, Ludwig Heß, Heinrich Wüst geprägt ist,- sein Streben,
	        

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