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Bei denselben Radierungen befindet sich ein schönes 
bedecktes Feld mit einer Egge. Dann die vier Tages 
zeiten, die auch in Holzschnitten zu haben sind. 
Ich möchte all dies haben, zum wenigsten die 
Radierungen und die Holzschnitte. Das ist ein nötiges 
Studium, woraus ich lernen kann. Ich möchte durchaus 
nichts mehr kopieren, das alten Systems ist. Ich will 
auch den barmherzigen Samariter von Delacroix ko 
pieren. An THEO, No. 592, S. 616, St. Remy, Herbst 1889. 
„Du wirst überrascht sein, welche farbige Wirkung 
die Feldarbeiten geben. Das ist eine sehr interessante 
Arbeit. — Ich will Dir sagen, was ich darin suche, und 
warum es mir gutscheint, sie zu kopieren. Man ver 
langt von uns Malern, dass wir immer selbst kom 
ponieren, und nichts als Kompositeurs seien. Gut, 
aber in der Musik ists nicht so, und wenn jemand 
Beethoven spielt, dann wird er seine persönliche 
Deutung hinzufügen. In der Musik und vor allem im 
Gesang bedeutet die Interpretation des Komponisten 
etwas; und wenn es nicht so ist, müsste man nur 
den Komponisten, der seine eigenen Arbeiten spielt, 
gelten lassen. — Gut, aber besonders, wo ich krank bin, 
versuche ich, eine Sache zu machen, die mich tröstet, 
die mich besonders freut. — Ich setze das Weiss oder 
Schwarz Delacroixs oder Millets hinein, oder stelle 
mir ihre Arbeiten als Modelle vor die Augen. Und 
dann improvisiere ich darüber Farben, aber wohlver 
standen, ich bin dabei nicht vollständig ich, sondern 
suche Erinnerungen an ihre Bilder zu geben. Aber die 
Erinnerung, den vagen Zusammenklang der Farbe, die 
ich im Gefühl habe, gleichgültig, ob sie richtig sind; das 
ist meine Interpretation. — Eine Menge Leute kopieren 
nicht, andere wieder kopieren. Ich kam durch Zufall
	        
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