Full text: Ausstellung Edvard Munch

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Weges,- auf ihre Weise suchen sie sich der überraschenden Erscheinung 
zu bemächtigen, sie für mitfühlendes Verständnis zu erschließen. Am» 
schauung vermögen sie nicht zu geben, wohl aber dem Ungeduldigen eine 
mehr oder weniger bestimmte Vorstellung, dem Genügsamen ein Vor- 
Urteil. So verschieden sie in der Auslegung und Wertung sein mögen, 
so machen sie alle in gleicher Weise staunen durch die zahlenmäßige 
Fülle an Einzelwerken, die sie offenbaren. Ältere Aufsätze und Ver 
zeichnisse erwähnen ganze Folgen von Bildern, die später nicht mehr genannt 
werden oder doch verschollen und unerreichbar scheinen. Ein Teil ist in 
skandinavischen privaten und öffentlichen Sammlungen für uns und für die 
meisten bisherigen Berichterstatter so gut wie unzugänglich. Von andern 
erzählt Munch, daß sie, mehr als ein Dutzend, durch Schiffsunfälle und 
Hausbrände zerstört worden oder durch Diebstahl abhanden gekommen 
seien. Manche hat er als ungenügend selbst beseitigt. Eine ziemliche 
Anzahl, die er für die besten hält, verwahrt er selbst in seinen Magazinen: 
„Ich brauche sie für meine Arbeit," Seine Werke sind für ihn das Werk, 
und zur Vollbringung der großen Lebensaufgabe sind ihm alle Bilder, die 
er bis jetzt gemalt hat, Unterlage und Studienmaterial. 
In den 1880er Jahren schon werden einige Themen angeschlagen, die 
heute nur in späteren Fassungen oder nur als Radierung, Lithographie 
oder Holzschnitt, vielleicht auch in mehr als einer graphischen Technik 
erhalten sind. Das „Kranke Mädchen" soll das erste Gemälde gewesen 
sein, das Munch 1885 an die Ausstellung in Kristiania sandte. Nach 
dieser ersten „unter dem Eindruck: des impressionistischen Kolorismus 
gemalten Fassung" ist 1896 eine zweite, 1907 eine dritte (unsere Nr. 32> 
entstanden, außerdem zwei Radierungen (unsere Nr. 80 und 112) und eine 
Lithographie in verschiedenen Farbenkombinationen (unsere Nr, 213). Wie 
Munch erzählt, ist ihm, — wie Hodler in ähnlichen Fällen —, zugemutet 
worden, der Grund dafür sei Spekulation auf vermehrten Verkauf, und 
Geldgier. Die „Pubertät" oder „Nacht" entsteht wie „der Tag danach" 
im Jahre 1886,- erhalten sind beide Bilder in neuen Fassungen von 1894, 
dazu noch in je einer Radierung (unsere Nr. 87 und 138), die Nacht 
auch in der ersten Lithographie, die Munch gezeichnet hat (unsere Nr, 201), 
Durch drei Jahrzehnte hindurch folgen sich von 1889 an die Kompositionen 
mit der Landungsbrücke und den wartenden oder plaudernden Mädchen 
(s. unsere Nr. 12, 22, 147, 307, 459). Die „Eifersucht" erhält sieben»»
	        
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