Full text: Ausstellung Edvard Munch

XVI 
dabei das eine Mal etwas impressionistisch gelockert, das andere Mal etwas 
straffer gespannt scheinen, sie ist der Wirkungsabsicbt angepaßt. Wie 
jedes Einzelbild auf das Gesamtwerk bezogen ist, so im einzelnen Bild 
die Technik auf die besondere Bildidee,- die Reife und Einheitlichkeit der 
Gesamtanschauung schließt dabei sinnlose Wildheit und Ziellosigkeit in der 
Technik von vornherein aus. Im einzelnen Bilde will überdies der Künstler 
den Blick unausweichlich dahin führen, wo er den Kampf ausficht,- er erlaubt 
ihm nicht, genießerisch über die ganze Fläche zu gleiten um jede Handbreit 
einzig als Malerei <als „absolute" Malerei) auszukosten. 
Die graphische Abteilung der Ausstellung geht nahe bis zur Voll* 
ständigkeit. Vielleicht ist das Wagnis, eine so reiche Zahl von Drucken im 
Rahmen einer zeitlich beschränkten Ausstellung eng gereiht nebeneinander 
zu zeigen, fast zu groß. Es steht beim Beschauer, der Versuchung zur 
Oberflächlichkeit zu widerstehen und in ruhig eindringender Betrachtung 
dem einzelnen Blatt die Aufmerksamkeit zu gönnen, die es verdient, und 
die es immer reichlich lohnt. Der Verdacht allzu leichter Produktion fällt 
davor zusammen, daß die Ausstellung drei Jahrzehnte umspannt. 
Als Munch Radierer wurde, war er schon zwölf Jahre Maler. Der 
Sicherheit des Sehens und Empfindens ist die Sicherheit im Gestalten vom 
ersten Moment an schon ebenbürtig. Das früheste Blatt, die Bildnisstudie 
in kalter Nadel nach einem Herrn Mengelberg in Berlin soll auf dem 
Rückweg vom Kaufladen entstanden sein, wo er eben erst Radiernadel 
und Kupferplatte erworben hatte,- die letzten Blätter sind wieder wenig 
umfangreiche, schlechthin vollendete Kaltnadelarbeiten, In den ersten Jahren 
versucht nnd meistert er rasch alle Verfahren der Spezialisten, kalte Nadel, 
Roulette, Ätzung, Schabkunst und macht sie auch schon völlig seiner per* 
sönlichen Handschrift dienstbar. Es reizt ihn, die neue Sprache an den 
Themen des Lebensfrieses zu erproben. Später vereinfacht er Technik und 
Vorwurf,- die Radierung wird ihm gewandte, hellsichtige Begleiterin auf 
seiner „Wanderschaft", immer bereit zu hastiger, abgekürzter Formulierung 
rasch gesehener und empfundener Erlebnisse. 
Ein Jahr nach der Radierung errang sich Munch als Ausdrucksmittel 
und Kunstform auch die Lithographie. Das Verfahren ist schmiegsamer, 
die Wirkung breiter und weicher. Munch zeichnet auf den Stein mit Pinsel 
und Stift wie auf großes weißes Papier, Namentlich in Paris, wo er mit
	        

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