Full text: Ausstellung Edvard Munch

XVII 
den Meistern jener Jahre wohl schon allein durch den gemeinsamen Drucker 
Clot in Berührung kam, entstanden Blätter, die für das Höchste, was das 
Verfahren hervorbringen kann, immer repräsentativ bleiben werden. Auch da 
ist er bald Meister aller technischen Mittel, er gelangt zu sonst kaum erreichtem 
Schmelz des weichen schwarzgrauen Kreidestriches vor leuchtendem Weiß 
und wahrt auch in den farbigen Blättern immer Klarheit und Größe. Auch 
die Lithographie ist ihm anfänglich vorwiegend nur neue Sprache für 
Themen, wie er sie im Lebensfries anschlägt. Mit der ersten Bildnisfolge 
macht er sie selbstherrlich. Von etwa 1900 an werden ihm in anderer 
Form, aber ähnlichem Sinn wie die Radierung Lithographenkreide und 
Umdruckpapier zum Tagebuch. Nun zeichnet er Bildnisse, wo er ein Bild 
nicht malen will, oder um ein gemaltes Bild durch eine raschere Notiz zu 
ergänzen,* aus den Aufzeichnungen im Tiergarten von Kopenhagen wird 
ihm die Folge der „Tiere", daraus in merkwürdiger Verflechtung mit dem 
Niederschlag ganz andersartiger Beobachtungen der Zyklus „Alpha und 
Omega", wo Bild und Text nebeneinander in ihm auftauchen und geformt 
werden. In immer breiter und weiter geführtem Schwung malt er schließlich 
mit dem weichen Stift Blätter von bisher nie gesehener Fülle und Kraft 
wie „Feuersbrunst", „Erdarbeiter" und die großen Frauenakte. 
Der Holzschnitt ist für reicher abgestufte Wirkungen weniger gefügig 
als Radierung und Lithographie. Munch macht sich seit 1896 in Paris, zwei 
Jahre nachdem er mit Radieren begonnen hatte, alle Möglichkeiten auch dieses 
Materials zu eigen und zwingt ihm neue, bisher noch nicht gekannte Wir* 
kungen ab. In den allerersten Blättern stellt er noch vorwiegend schwarze 
Form gegen hellen Grund oder verschiedene Farben in ungebrochenen 
Flächen gegeneinander. Er scheint auf Vallotton und Japan aufzubauen. 
Fast gleichzeitig geht er aber auch schon eigene Wege. Er löst die Fläche 
auf, zerstört scheinbar die zeichnerische Form und läßt Weiß und Schwarz 
aufeinander lossprühen, daß sie im Auge zu Formen einer neuen Ordnung 
zusammenspielen. Aus der Nähe betrachtet erscheint das Bild zerschlissen 
und zersplittert wie auf manchen seiner neueren Gemälde,* es fehlen die 
sicher führenden Linien und eine dekorativ-flächenhafte Aufteilung,* Licht 
und Bewegung knallen nur als Funke zwischen grellem Weiß und Nacht 
schwarz von einem Angelpunkt zum andern. An der Wand schließt es sich zur 
schönsten Festigkeit und bildmäßigen Ruhe,* größte Einfachheit der Mittel und 
völlig undekorative Haltung im einzelnen zeitigen höchste dekorative Kraft.
	        

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