Full text: Gemälde und Skulpturen

VII 
Holbein, kaum handbreit, aber groß und unerschütterlich in seiner 
Festigkeit und kühl durchdringenden Überlegenheit, ein von Prof. 
Ganz in England wiedergefundenes, künstlerisch noch nicht so 
unproblematisches Früh werk und ein Bildnis des Erasmus von 
Rotterdam; dazu, aristokratisch und kühl, in der Charakteri 
sierung Holbein am ehesten verwandt, in der Durchführung weniger 
unerbittlich, zwei französische Bildnisse von vornehmen Herren. 
In der Foggia hängen Werke zweier bisher als Vertreter der „schwei 
zerischen Renaissance“ gewerteter Berner Meister, die selbst 
bewußter Manneskraft entsprungenen Kompositionen und Bildnisse 
des Niklaus Manuel und des Hans Funk. In einem Seiten 
saal, unmittelbar wieder überleitend zum großen Hauptsaal, die 
Tafel des aus Rottweü in Solothurn eingewanderten Albrecht 
Mentz, der zwei in jeder Richtung ungleichwertige Szenen aus der 
Passion Christi durch strengste formale Gliederung zu einem Bild 
zusammenschweißt, und weitere Proben der für die Kunst des 
jungen Konrad Witz wahrscheinlich nicht bedeutungslosen Rott 
weiler Malerei in den beiden derben Tafeln des Martyriums der 
heiligen Ursula und des Pfingstwunders aus Schloß Fichtenstein. 
Als Werk eines mit Konrad Witz nahe zusammenhängenden Basler 
Meisters von 1445 galten bisher auch der von drängendem, 
bunten Feben fast übervolle „Jünteler Altar“ aus Schaff hausen 
und das berühmte Donaueschinger Bild mit den Eremiten Paulus 
und Antonius in stiller Fandschaft, die aber hier, dem Meister 
selbst einmal wirklich nahe, sich weit von ihm und auch noch 
voneinander scheiden. 
Der sehr geräumige Böcklin-Saal im ersten Stockwerk mit 
hellen, locker behängten Wänden ist vollständig Hans Fries 
gewidmet, er gelangt hier mit weitern fünfzehn Tafeln als Er 
zähler, dem doch die Größe des dekorativen Empfindens nie 
abgeht, zu überraschender und eindrucksvoller Entfaltung. Im 
Welti-Kabinet sind Flügelaltäre und einzelne Tafeln von 
oberrheinisch-baslerischen Meistern des ausgehenden 
XV. Jahrhunderts zusammengefaßt, die feierlich und alter 
tümlich, namentlich neben Hans Fries, die Figuren in klarem 
Umriß und flächig ausgebreiteten starken Farben mit viel Gold 
vor Goldgrund aufbauen; vielleicht mehr handwerklich, im Banne 
der großen Tradition als von innerem künstlerischem Triebe
	        
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