Full text: Ausstellung Ferdinand Hodler

IX 
Handlung noch in manchen Bildern, die um 1879 und 1880 enftehen. So wird 
die Geltalt des * Mähers», im letzten Sonnenftrahl, mit hellen und dunkeln 
Pinfelhieben in die ftille Abendlandfchaft geltellf, und Iteht der weißbärtige 
«Bettler» in fummarifdier Modellierung auf hellem Platz, fitzt der «Alte 
Mann in der Scheune» braun auf feinen braun in braun wiedergege^ 
benen Lumpen, Vom «Mäher» — es ilt wieder jener Onkel in Langen 
thal meinte der Künltler in neueiter Zeit, er könnte auch vor 1879 ent^ 
(fanden fein. Der «Bettler» und der «Alte Mann in der Scheune» wurden 
bisher mit 1889 und 1890 datiert, wohl wegen fcheinbarer Verwandtheit 
im Gegenftändlichen mit den Männerfiguren jener Jahre. In der Aufladung 
find fie durch eine Welt von ihnen gefchieden, auch in der einfadhften 
Skizze zielt Hodler um 1890 auf ganz anderes, als was diefe Frühwerke 
bieten. Der Hinweis z, B, auf den «Spaziergänger» <Kat, Nr, 128) oder 
den Kupferftecher Desboutin <Kat, Nr, 134) genügt zum Beweis, Hingegen 
hat für den «Bettler», den «Alten Mann in der Scheune» und den «Alten 
Mann» <Kat. Nr, 59) das gleiche Modell gedient wie für den fitzenden 
Greis im großen «Gebet». 
Aehnlich aufgelockert im Stofflichen, das heißt hauptfächlich als Lichte 
problem gefaßt und durchgeführt, ilt das 1881 neben dem «Gebet im 
Kanton Bern» zum erltenmal ausgeftellte Selbltbildnis «Der Zornige», das an 
Stelle des freundlich blickenden Jünglings von 1878 nun plötzlich einen 
bärtigen Mann zeigt,- ähnlich auch das kleine «Gebet», das nach neueften 
Angaben des Meifters ein wenig fpäter als das «Gebet im Kanton Bern» 
entftanden ilt, aber in manchen Zügen auch wieder zum «Turnerbankett» 
und andern Werken der fiebenziger Jahre zurückweilt. 
Der «Schwingerumzug» wird als «großer Carton» in einem Aus^ 
ftellungsbericht von 1882 erwähnt, Hodler foll das Bild im Sommer des 
Jahres, wieder in Langenthal, komponiert und vollendet haben. Eine Vor^ 
bereitung zu einer derartigen Aufgabe - Anlage als Freilichtbild und auf 
große Wirkung in jeder Hinficht — mögen ihm vielleicht die Entwürfe 
für zwei Wandgemälde im Eidg, Polytechnikum von 1881, Kat. Nr. 464 
und 465, bedeutet haben, Ausgefprochener Wille nach klarer zeichnerifcher 
und plaftifcher Form zeigt fich auch fchon in einigen Frauenköpfen um 
1880, wie in dem am Boden fitzenden Mädchen, das ins Jahr 1881 ein^ 
gereiht wird,- das Modell ilt 1876 geboren und im Bild wohl fünfjährig. 
Für die Befchäftigung mit dem Raumproblem zeugen die «Kaffeeftube»
	        
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