Full text: Joh. Gottfr. Steffan, 1815-1905, Leonhard Steiner, geb. 9. Nov. 1836

Johann Gottfried Stefan 
verschied am 16. Juni 1905, fast 90 Jahre alt, in München. Am 
13, Dezember 1815 zu Mädenswil am Zürichsee geboren, wurde er 
nach Absolvierung der dortigen Schulen von seiner Samilie zu einem 
Lithographen in die Lehre gegeben, da sich in dem Knaben schon 
früh die Lust zum Zeichnen regte. Zur weitern Ausbildung in 
diesem Beruf ging er dann, 18 Jahre alt, nach München; hier liesz 
er sich zum Aktzeichnen in die Akademie aufnehmen. ITTit offenen 
Augen besah er sich die Kunstschätze, besonders die Gemäldesamm 
lungen; die Niederländer der alten Pinakothek wirkten mächtig 
auf ihn ein, nicht weniger bewundernd stand er vor den Rott- 
mannschen Landschaften. Er begann nun eifrig landschaftliche 
Motive nach der Natur zu zeichnen und schüchterne versuche im 
Malen 311 machen, die das Resultat zeitigten, daß er sich mit 25 
Jahren im Sattel fühlte; der Lithographenberuf, der ihn nicht 
befriedigen konnte, wurde aufgegeben, um dem Landschafter Platz 
zu machen, der ohne Schule — eine solche gab es damals nicht — 
Kraft inneren Dranges und unermüdlichen Naturstudiums sich 
emporgearbeitet hatte. Zunächst war es die Gebirgswelt seiner 
Heimat, die ihm den Stoss zu seinen Bildern liefern mußte und 
zu der er immer wieder zurückkehrte. Daneben holte er seine 
Motive aus der malerischen Umgegend Münchens (wobei der Starn 
bergersee den Vorrang behauptete) und aus den bayrischen Bergen; 
hier war es vornehmlich die Berchtesgadenergegend (Ramsau, 
Hintersee), die ihn abwechselnd mit der Schweiz zu Studienreisen ver 
anlaßte. Südtirol mit dem Gardasee fesselten ihn nur einen Sommer. 
Die entstandenen Bilder erfreuten sich einer zunehmenden Beliebt 
heit, und Ende der 1850er Jahre war Stefsans Ruf als geschätzter 
Landschaftsmaler begründet. König Ludwig ü ließ seine Büste 1864 
durch Halbig für den Koryphäensaal der neuen Pinakothek anfer 
tigen und in seiner Heimat galt er jekt, wo seine vollste Kraft ein 
setzte, als ein Meister der Gebirgsmalerei unter seinen Zeitgenossen. 
Dieser Ruf blieb ihm Jahrzehnte treu. Seine Gemälde waren 
künstlerische Schöpfungen von ausgesprochener Ligenart, Merke 
von gediegener Komposition, poetischer, bisweilen ergreifender
	        

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