Full text: Joh. Gottfr. Steffan, 1815-1905, Leonhard Steiner, geb. 9. Nov. 1836

Wirkung und großer Naturwahrheit. Ausgestattet mit einem 
umfassenden wissen und Kennen des Aufbaus der Gebirge und des 
denselben vorgelagerten Landes mit seinen Seen, verstand er es 
wohl wie wenige, seinen Landschaftsschöpfungen nach der Seite der 
organischen Entwicklung hin überzeugenden Ausdruck der Wahrheit 
zu verleihen; und mit so strenger Gewissenhaftigkeit wußte nicht 
leicht einer sich Rechenschaft zu geben über die durch die Gertlichkeit 
bedingte Gestaltung des Baumwuchses sowohl, wie der Luftbildun- 
geu. Ein Blick auf seine Bilder zeigt dem verständnisvollen Be 
schauer, von welcher Reichhaltigkeit nach diesen Richtungen hin die 
Errungenschaften seines Naturstudiums gewesen. — wie in den 
Berglandschaften oft das Gewaltige zum erhebenden Ausdruck 
kommt, die Sormen aufs tiefste verstanden und abgewogen sind, 
so berückt in den zahlreichen Bildern z. B., die den Umgebungen 
des Starnbergersees entnommen sind, die Harmonie sanfter, mälig 
verschwindender Linien, und wiederum der intime Reiz gemütlichen, 
ländlichen Stillebens; und während in ersteren oftmals großartige 
Wolkenbildungen und Lichteffekte zur Erhabenheit der Stimmung 
beitragen, wird die Lieblichkeit flacherer Gegenden durch besonders 
feine Tonungen des Aethers und weiche Luftgebilde erhöht. 
viele seiner Werke fanden ihren Platz in schweizerischen öffent 
lichen Sammlungen, ebenso in schweizerischen Privatsammlungen; 
das übrige kam in die Staatsgalerien von München, Wien, Prag, 
Dresden, Karlsruhe u. f. w., sowie in den Besitz deutscher, hollän 
discher, russischer und amerikanischer Kunstfreunde. 
Seine Schüler waren sein Schwiegersohn Traugott Schieß, der 
Solothurner Sröhlicher und fein Sohn Arnold. Nach dem frühen 
Tode des letzteren (1882), der ihn auf seinen Studienreisen begleitete, 
gab er diese auf. Ein Jahrzehnt noch nach diesem Verluste war 
der unermüdliche Künstler tätig, bis zunehmende Sarbenblindheit 
und der Mangel neuer Eindrücke ihm den Pinsel aus der Hand 
nahmen.
	        

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