Full text: Catalogi von Kunstausstellungen in Zürich in den Jahren 1799 u. 1801 bis 1811

IV. Die friedliche Wohnung sieht vom Blitz ent 
zündet. Die Tochter eilt nach Hause, (daß sie abwesend 
war , lehrt uns ihr festlicher Anzug); sie stürzt in das 
brennende Gemach , wo sie die Mutter, die beschäftigt 
war ihre Kostbarkeiten zu retten, sinnlos neben dem 
umgestürzten Stuhl liegen findet. Mögen immerhin die 
Kostbarkeiten ein Raub der Flamme werden , wenn ihr 
nur der Himmel Kräfte, verlieht, die geliebte Last in 
Sicherheit zu bringen. 
V. In der armen Tachkammer, wo nun die gerettete 
aber kranke Mutter zur Miethe wohnt, und sich die 
pflegende Tochter neben ihr auf dem Boden gebettet hat, 
erspäht diese die Augenblicke wo jene schlaft, um die 
sammetnen Bänder von ihrem Kleide zu trennen, damit 
sic die Arzneyen bezahlen könne, welche ihrer verarmten 
Mutter das Leben retten sollen. Ach ! auf diese vertraut 
sie nicht allein: knieend weint sie vor Gott, und unter 
drückt das Schluchzen das ihr Gebet unterbricht, um 
nicht den stärkenden Schlaf der Kranken zu stören. 
VI. Ihr Bebet ist erhört; zum erstenmal führt sie 
die Genesende wieder in ihr Sartlein. Durch ihr Un 
glück erschwerter Unterhalt hat die Veränderungen 
darin — die Umwandlung der Blumenrabatten in 
Krautbette — veranlaßt, und der Spade in der Hand 
der Tochter sagt uns , daß sie nun die Geschäfte besorgen 
muß, die früher die Magd verrichtete. Aber mit lie 
bender Hand sucht sie das Verlorne der guten Mutter 
zu vergüten , die vom Nachbar weggeworfnen Scherben 
der Blumentöpfe hat sie zusammengeflickt und darin 
die Lieblingspflanzen der Mutter aufbewahrt; der 
^sirsichbaum ist zur Laube gewölbt, und darunter fine
	        
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