Full text: Kataloge von Ausstellungen der Künstler-Gesellschaft Zürich 1868-1895

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Wo und wann diese Erfindung gemacht wurde, ist unbe 
kannt. Die früheste sichere Kunde von Glasmalereien datirt 
erst aus dem Ende des X. Jahrhunderts; sie stammt aus Reims, 
wo der Erzbischof Adalbert seine Kathedrale mit Glasfenstern 
schmücken liess, auf denen, wie der Chronist sich ausdrückt, 
verschiedene Geschichten gemalt waren. Immerhin mögen der 
artige Werke auch damals noch zu den seltenen Ausnahmen 
gehört haben, denn erst mit dem XII. Jahrhundert beginnt die 
Reihenfolge der ältesten noch erhaltenen Glasmalereien, und 
zwar finden sich dieselben, mit Ausnahme einer einzigen Suite, 
der Oberlichter im Augsburger Dome, in französischen Kirchen. 
Ihr Stil ist streng, die Zeichnung derb, oft ungelenk, mit wenigen 
Zügen hingeworfen, die Zahl der Farben beschränkt, aber die 
Zusammenstellung der Töne und der Gesammteffect, zu dem 
sich diese Werke mit ihrer Umgebung verbinden, ist ein in so 
hohem Grade harmonischer und prachtvoller, dass man billig 
dem Lobe beipflichten kann, mit welchem die damaligen Schrift 
steller der kirchlichen Interieurs und ihres farbenprangenden 
Schmuckes gedenken. 
Die Schweiz, an hervorragenden Kunstwerken arm, hat aus 
dieser früheren Epoche nur wenige Proben aufzuweisen. Die 
umfangreichsten und mei’kwürdigsten sind die Glasgemälde, welche 
die Rosette im Querschiff der Kathedrale von Lausanne 
schmücken. Andere, die ebenfalls im XIII. Jahrhundert entstanden, 
sind ein paar Masswerkfüllungen im Kreuzgange des Klosters 
Wettingen (siehe die Durchzeichnungen Xr. 129—131). 
Zahlreicher und theilweise von höchst bedeutendem Umfang 
und Kunstwerth sind einige Cyklen aus dem XIV. Jahrhundert. 
Den Reigen eröffnen die Fenster, welche um 1322 für die Kloster 
kirche von Hauterive (Altenryf) verfertigt und nachmals (1856) 
in den Chor der Kathedrale S. Nicolas in Fr ei bürg versetzt 
worden sind (einige Fragmente davon sind unter Nr. 1—3 aus 
gestellt). Dann folgen die prachtvollen Chorfenster von Königs 
fel den (1324—1351), der bedeutendste Kunstschatz, den die 
Schweiz aus dem Mittelalter besitzt (Proben unter den Zeich-
	        

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