Full text: Kataloge von Ausstellungen der Künstler-Gesellschaft Zürich 1868-1895

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klänge an die Antike auf: Säulen korinthischer oder compositer 
und später toscanischer Ordnung, durch Architrave verbunden 
oder cassettirte Wölbungen, von denen Fruchtschnüre herunter 
hängen, daneben auch andere Formen, die als specifische Aeusse- 
rungen des späteren Renaissancegeschmackes zu betrachten sind: 
Allerhand Cartouchen und Schnörkel aus bandartigen Curven, 
Rollen und Spiralen gebildet, die ihren Ursprung in der Metallo- 
technik haben. Alle diese Architekturen und Ornamente, erstere 
durchsichtig, nüchtern und mager, sind bunt gemalt, während 
die Hintergründe jetzt meistens weiss und bloss mit schwarzen 
Schnörkeln, wildgeschwungenen Bändern, Schnüren u. dgl. belebt 
sind. Wappen scheiben wurden noch immer in grosser Zahl 
verfertigt, aber mindestens eben so häufig nehmen jetzt aus 
führliche Compositionen biblischen und mythologischen Inhaltes 
in einer reichen landschaftlichen Umgebung, Allegorien mit breit 
spurigen lehrhaften Yersen, Darstellungen der Jahreszeiten, dann 
wieder Copien nach den bekannten Emblemata Christoph Murer’s 
die Hauptstelle ein. Zu alledem kommt dann noch eine unan 
genehme Manierirtheit der Zeichnung : Die Figuren sind gespreizt 
und affectirt bis in die Spitzen der Finger hinaus, allegorische 
Gestalten besonders, die sich vor lauter Süssigkeit kaum zu 
benehmen wissen in ihren vom Winde hoch um die Füsse empor 
gewirbelten Röcken. Von Farben kommen ein klares hoch 
aufgeschmolzenes Grün, Blau, Violett und ein bräunliches Ziegel- 
roth für die nackten Theile am häufigsten vor. 
V. 
(Panneau X, Nr. 99—128.) 
Bald nach der Mitte des XYI1. Jahrhunderts setzt eine 
neue Gattung von Glasmalereien ein. War man einer farben 
lustigen Umgebung satt geworden, oder hatte man über dem 
Streben nach Allzuvielem die Kunst des Malens überhaupt ver 
lernt , genug, wir sehen wie immer häufiger die Zahl der Scheiben 
wird, die der Farben gänzlich entbehren. Kommen bunte
	        
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