Full text: Kataloge von Ausstellungen der Künstler-Gesellschaft Zürich 1868-1895

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reitet einer um die Schranken herum aus der untern in 
die obere Stennbahn. Das Pferd eines andern will nicht 
vom Flecke, trotz aller Schläge des hinten stehenden Knech 
tes. Den Schluss dieser Reihe bildet, dem Anfang ent 
sprechend wieder Musik, nämlich ein Pfeifeubläser und 
ein Trommler, diese aber zu Fuss. Mit dieser Gruppe 
schliesst sich das Turnier an die Treibjagd auf der ersten 
Schmalseite an. Soweit der äussere Bilderkreis. 
Im innern bilderkreis sehen wir zunächst zwei 
Wappen, die den Besitzer und seine Gattin bezeichnen 
(siehe unten). Zwischen diesen Wappen und den Bilder 
reihen der Langseiten ziehen sich wieder zwei Gruppen 
hin. Ueber der Jagdscene sieht man einen Mann in 
zerlöchertem Kleide auf einem Zuber sitzen. Er stützt sei 
nen Kopf traurig und nachdenklich auf die rechte Hand, 
der Mund ist ihm mit einem Ungeheuern Yorlegschloss zu 
gemacht. Kings um ihn her liegen in gräulicher Verwir 
rung alle möglichen Gerälhe, als Schüsseln, Rüchengeschirr, 
Werkzeuge, Hausrath aller Art — alles aber zerbrochen 
und beschädigt. Auf einem Spruchbande las man: »(Jch 
soll alles) zerbrochen han(uud kann mich) nit verant 
worten.« Wir haben also hier die bekannte, im Mittel 
aller und noch später beliebte Vorstellung des Niemand, 
der für alles Unglück und Missgeschick in Haus und Hof, 
Küche und Keller herhallen muss, der Alles verloren, Alles 
zerbrochen und verunschickt haben soll. Diese Vorstellung 
findet sich schon auf den fliegenden Blättern jener Zeit mit 
langen erläuternden Versen, die die Klage des Niemand 
enthalten. Man kennt z. B. ein solches Blatt mit der Vor 
stellung des durch die Verwüstung hinschreitenden Niemand 
»gedruckt durch Albrecbt, Buchdrucker zu Memmingen« 
um das Jahr 1510, welches Holbein ganz wohl zur Anre 
gung könnte gedient haben. 
Ueber dem Turniere sieht man einen Krämer, der 
sich im Schatten eines Baumes zum Schlafe niedergelegt
	        

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