Die erste und entscheidende Begegnung mit den Werken der 
Ausstellung ist die sinnliche Aufnahme von Linien, Farben und 
Gestalt. Aus dem Augensinn sind sie geschaffen, zur Wieder- 
erfassung durch unser Auge, auf dem geradesten und kürzesten 
Weg. Diese Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen genügen vor- 
erst, wie auch wieder im letzten, sich und uns mit ihrer Existenz 
als Kunstwerk; ihrem Dasein als Gebilde besonderer Art, gewollte, 
mit der Hand gestaltete Schöpfungen des nicht von Menschenhand 
und -Geist geschaffenen, aus verhüllten Quellen gewordenen und 
stets neu werdenden Menschen und Menschengeistes. 
Die Auseinandersetzung mit der Erscheinung der Werke führt 
schon hinein in das Verhältnis von Zeichnung, Malerei und Plastik 
zur „Natur‘‘, und die Besonderheit der bildenden Kunst als stets 
wieder neue Wahl und Verbindung ganz weniger Elemente aus der 
unendlichen Vielfalt der sichtbaren Welt. 
Der dünne Feder- oder Bleistiftstrich — die Gewohnheit hat uns 
das Bewußtsein davon längst eingeschläfert — ist am weitesten 
von ihr entfernt und läßt am tiefsten in sie dringen. Würde und 
Wildheit der Bewegung, sinnliche Anmut, jede Art von Größe ver- 
mag er auf bescheidener Fläche lebendig zu machen. Auf den bur- 
gundischen Gürtelschnallen, im Rankenwerk karolingischer Buch- 
staben, in den Kompositionen von Martin Disteli wühlen die Linien 
sich ineinander, suchen und meiden sich in scheinbar kaum ent- 
wirrbarer jedoch wohl ausgewogener Verflechtung. 
Die Farbe ist durch Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende, vor 
allem Begleiterin der Zeichnung, bald Dienerin, bald eher gleich- 
geordnet. Sie kleidet diese in kirchliche und weltliche Pracht oder 
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